
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Palmas Handel fordert Schutz vor Plünderungen
Prävention statt Reaktion: Der Einzelhandel wehrt sich
Die Nerven liegen blank bei den Geschäftsleuten in Palma. Die Ankündigung einer Versammlung für diesen Freitag auf der zentralen Plaça d’Espanya versetzt den lokalen Handel in Alarmbereitschaft. Die Befürchtung ist greifbar: Was in Barcelona, Paris oder Mailand an Zerstörung und Plünderungen zu sehen war, könnte sich nun auch in der Inselhauptstadt wiederholen. Dieser Sorge gibt die Federación de Empresarios de Comercio de Baleares (Afedeco) nun deutlichen Ausdruck und stellt klare Forderungen an die Verantwortlichen in Politik und Polizei.
Der Auslöser sind kursierende Nachrichten in einem Telegram-Kanal, in denen offen über mögliche Sachbeschädigungen und Diebstähle in Geschäften spekuliert wird. Zwar betonen die Verantwortlichen des Kanals, dass es sich um eine friedliche Protestaktion handeln soll und man die Vorfälle in anderen Metropolen ablehne. Doch das Misstrauen der Unternehmer ist geweckt. Man könne schließlich nicht einfach abwarten, bis die ersten Schaufensterscheiben zu Bruch gehen, gibt Afedeco-Vizechef Pedro Miró die Richtung vor. Die Lage sei zu ernst, um auf den Ernstfall zu hoffen.
Existenzängste der Händler
Besonders brisant ist die Terminüberschneidung: Die Demonstration ist für den Nachmittag angekündigt, also mitten in den ladentypischen Stoßzeiten. Die Geschäfte rund um die Plaça d’Espanya, die Calle Oms und in den angrenzenden Einkaufsstraßen wären direkt betroffen. Hier arbeiten Menschen, hier sind Kunden unterwegs – und genau dieser Umstand mache die Sicherheitsfrage so dringend, so Miró weiter. Er stellt unmissverständlich klar: „Es geht nicht darum, eine Protestveranstaltung zu kriminalisieren. Demonstrationen sind ein hohes Gut. Aber das Recht der Angestellten auf einen sicheren Arbeitsplatz und das Recht der Kunden, ohne Angst einkaufen zu können, wiegen genauso schwer. Auch diese Rechte müssen geschützt werden.“
Sollte die erwartete Polizeipräsenz jedoch nicht ausreichen, drohen die Geschäfte mit einer drastischen Maßnahme: Sie könnten ihre Läden vorzeitig schließen. Der Handelsverband stellt klar, dass dies kein Akt der Willkür, sondern reine Vorsorge wäre. Man dürfe nicht darauf warten müssen, bis der erste Schaden entstanden sei, so die Begründung.
Geschlossene Front gegen Unsicherheit
Die Unternehmerverbände der Insel ziehen dabei an einem Strang. Afedeco, aber auch Pimeco und Pimem, die Stimme der kleinen Selbstständigen und der Gastronomie, fordern ein sofortiges Spitzentreffen mit der Regierungsdelegation in den Balearen. Die Agenda ist klar definiert: Es braucht eine sichtbare und abschreckende Polizeipräsenz zu den gefährdeten Zeiten, eine enge Abstimmung zwischen den Sicherheitskräften des Staates und der örtlichen Polizei sowie einen schnellen Draht für die Unternehmer, um Zwischenfälle direkt melden zu können.
César Amable, Präsident von Pimem Restauración, bringt das wirtschaftliche Desaster auf den Punkt, das ein einziger Ausschreitungsabend auslösen kann. Während ein solcher Tag für Randalierer nur ein kurzer Aufstand sei, bedeute er für viele kleine Betriebe den Anfang vom Ende. Zerstörte Einrichtung, geplünderte Ware oder tagelanger Umsatzausfall – das könne einen Selbstständigen schnell in die Insolvenz treiben.
Die Wirtschaftsverbände betonen, es gehe ihnen nicht um Hysterie. Es gehe einzig und allein um vorausschauendes Handeln. Die Bilder aus den spanischen und europäischen Städten der letzten Wochen seien Mahnung genug, um in Palma nicht die gleichen Fehler zu machen. Die Politik ist nun gefordert, den Rechtsstaat nicht nur auf dem Papier zu verteidigen, sondern auch auf der Straße – für die Sicherheit der Arbeitnehmer und den Erhalt des Wirtschaftsstandortes.
Die Lokalmedien auf den Balearen, darunter auch die Nachrichtenagentur Europa Press, berichten bereits seit Tagen über die wachsende Sorge der Geschäftswelt vor den angekündigten Protesten am Freitag.
Quelle: europapress.es