
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Menschenkette gegen geplante Geflügelfarm
Widerstand in Manacor wächst
Mit einer Menschenkette haben etwa 70 Anwohner von Manacor gegen die Errichtung einer neuen Geflügelfarm protestiert. Die Aktion am Sonntagvormittag richtete sich gegen das geplante Projekt auf dem Gelände von Son Brau, wo künftig rund 80.000 Vögel gehalten werden sollen. Organisiert wurde der Protest von der Plattform "Macrogranjas No".
Doppelte Anzeige gegen Betreiberfirma
Die Demonstration folgt auf juristische Schritte: Die Betreiberfirma Avícola Son Perot wurde bereits zweimal bei der Staatsanwaltschaft und dem balearischen Landwirtschaftsministerium angezeigt. Die Anzeigen gehen auf Recherchen der Tierschutzorganisationen Arde und Satya Animal zurück. Am Freitag übergaben die Organisationen der Regierungspräsidentschaft zudem 50.000 Unterschriften, die landesweit gesammelt wurden. Damit fordern sie die Einstellung des Projekts, das sich derzeit im Genehmigungsverfahren befindet.
Anwohner fürchten um Wasser und Gesundheit
Sílvia Llull, Sprecherin der Anwohner von Son Sureda, warnt vor den Folgen für Umwelt und Gesundheit. Sie verweist auf mögliche Nitratbelastungen des Grundwassers, die durch die Landwirtschaft entstehen könnten. „Das wäre ein langsamer Tod für alle, die dieses Wasser trinken“, so Llull. Zudem liege die geplante Anlage nur wenige Meter vom europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 entfernt und in unmittelbarer Nähe mehrerer Agrotourismus-Betriebe.
Über den Geruch hinaus befürchtet die Sprecherin erhebliche Lärmbelastungen durch Ventilatoren und Turbinen: „Das betrifft das gesamte Ökosystem in der Umgebung.“ Die Anwohner haben ihre Einwände bereits offiziell eingereicht – unterstützt von Technikern und Ingenieuren. „Wir haben alles mit Fachleuten vorbereitet, nichts erfunden“, betont Llull.
Entscheidung liegt beim Minister
Ob das Projekt gestoppt wird, hängt nun vom balearischen Landwirtschaftsminister Joan Simonet ab. Dieser hatte sich zu Wochenbeginn zurückhaltend geäußert. Ein Einschreiten auf Basis der Anzeigen könnte aus seiner Sicht als „Amtsmissbrauch“ gewertet werden, hieß es. Die Anwohner sehen das anders: „Die Zukunft Mallorcas liegt in ihrer Hand. 50.000 Unterschriften und fachliche Einwände zeigen, dass dieses Vorhaben nicht umsetzbar ist. Wir lassen nicht locker“, so Llull.
Tierschützer fordern schnelles Handeln
Julia Elizalde von der Organisation Arde betont, wie wichtig es sei, das Projekt bereits in der Planungsphase zu stoppen. „Ist die Anlage erst einmal in Betrieb, wird ein Eingreifen deutlich schwieriger.“ Verweis auf bestehende Farmen in der Region wie Maribó und Es Caparó zeige, welche Belastungen auf die Bevölkerung zukämen – beide Anlagen wurden ebenfalls angezeigt.
Die Staatsanwaltschaft hat die Unterlagen erhalten und prüft nun, ob ein Anfangsverdacht für ein Ermittlungsverfahren vorliegt. Auch das Landwirtschaftsministerium bestätigte den Eingang der Beweise und prüft mögliche Sanktionen.
Unternehmen kündigt Gegenwehr an
Die angezeigte Firma hatte zuvor mit rechtlichen Schritten gegen die Tierschutzorganisationen gedroht. Diese zeigten sich bislang unbeeindruckt: Eine Klage sei noch nicht eingegangen, man kenne nur die Ankündigung. Die Organisationen sehen die Ankündigung als Teil einer „Einschüchterungskampagne“, die sich gegen Journalisten, Anwohner und Tierschützer richte.
Das Unternehmen selbst spricht von einer „Verleumdungskampagne“. Die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage, hieß es. Die Tierschützer kontern: „Jeder ist für seinen eigenen Ruf selbst verantwortlich. Die zahlreichen Sanktionen und Verfahren der letzten Jahre sprechen für sich."
Quelle: europapress.es