Neuer Skandal um Hühnerfarm auf Mallorca

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Manacor

Neuer Skandal um Hühnerfarm auf Mallorca

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Vorwürfe gegen Geflügelbetrieb

Die Organisationen Arde und Satya Animal haben bei der Staatsanwaltschaft der Balearen Anzeige gegen einen Geflügelbetrieb in Manacor erstattet. Die Behörden sollen nun prüfen, ob dort geltendes Tierschutzrecht verletzt wurde. Die Vorwürfe basieren auf eigenen Ermittlungen der Tierschützer.

Bereits im Juli hatten Aktivisten zwei Ställe auf dem Gelände Maribó untersucht, in denen rund 40.000 Legehennen der Firma Avícola Ballester untergebracht sind. Ähnliche Missstände waren zuvor schon in einer anderen Anlage desselben Unternehmens in Llucmajor festgestellt worden.

Beobachtungen und tierärztliche Einschätzung

Bei den Kontrollen an drei verschiedenen Tagen stellten die Ermittler erhebliche Hygienemängel fest. So fanden sich den Angaben zufolge zahlreiche Küchenschaben, Fliegen, angesammelter Kot und Spinnweben an beschädigten Einrichtungen. Das videodokumentierte Material, das mittels Geodaten und Zeitungsbelegen verifiziert werden konnte, zeigt zudem zahlreiche Hühner mit fehlendem oder lückenhaftem Gefieder, offenen Wunden im Gesichtsbereich sowie blassen Kämmen. Bei einem Tier fehlte ein Auge.

Die Aufnahmen, die fast eine Stunde umfassen, zeigen darüber hinaus verendete und bereits stark verwesende Hühner, die von anderen Tieren angepickt wurden. Die Organisationen werten dies als Anzeichen für Kannibalismus. Ein von den Organisationen in Auftrag gegebenes Gutachten der Kanzlei VetLexis kommt zu dem Schluss, dass die Kombination der verschiedenen Krankheitsbilder auf dauerhaft einwirkende Ursachen hindeutet und nicht auf Einzelfälle zurückzuführen ist.

Laut Gutachten sind auch die Eier von Milben befallen. Zudem liegt ein Teil der Eier direkt im Kot. Diese Umstände, so die Experten, könnten das Risiko von bakteriellen Verunreinigungen erhöhen, etwa durch Salmonellen, die von den Milben übertragen werden können.

Vorbelastetes Unternehmen

Avícola Ballester ist laut den Organisationen kein unbeschriebenes Blatt. Bereits frühere Verstöße hätten zu Sanktionen geführt. So verhängte die balearische Landesregierung im Jahr 2025 ein Bußgeld von 200.000 Euro gegen das Unternehmen, das in der Anlage in Llucmajor unter anderem tote Nager und Hühner sowie eine mangelhafte Dokumentation festgestellt hatte.

Nur ein Jahr zuvor war bereits eine Strafe von 150.000 Euro verhängt worden. Der Grund war damals der Betrieb einer Anlage ohne die seit 2017 notwendige Umweltgenehmigung sowie eine unsachgemäße Entsorgung von Gülle. Die Behörden hatten in der Vergangenheit zudem Pläne des Unternehmens für eine weitere Großanlage in Sineu gestoppt. Nach massivem Widerstand der dortigen Gemeinden erließ die Regierung schließlich eine Verordnung, die Betriebe mit mehr als 160.000 Tieren verbietet.

Neue Pläne und Bürgerprotest

Der erneute Skandal könnte die Expansionspläne des Unternehmens gefährden: Im Juni hatte Avícola Ballester einen Antrag für eine neue Anlage in Manacor eingereicht, die für 80.000 Hühner ausgelegt ist. Dagegen formiert sich Widerstand: Anwohner haben sich zur Plattform „No Macrogranja“ zusammengeschlossen und Einwände erhoben. Sie verweisen auf zu geringe Abstände zu Wohngebieten und Tourismusunterkünften sowie auf die Gefahr von Nitratbelastungen im Grundwasser.

Die Sprecherin von Arde, Julia Elizalde, forderte den zuständigen Regionalminister Joan Simonet auf, das Bauvorhaben zu stoppen und die bestehende Anlage zu schließen. Der Hintergrund der Anzeige: Die Behörden in Palma wurden am Montag über die Vorgänge informiert, weitere Gespräche mit der Landwirtschaftsverwaltung waren für Dienstag geplant. Die Organisationen kündigten an, ihre Vorwürfe in einer Pressekonferenz zu untermauern und starteten eine Unterschriftenaktion. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, liegen die erhobenen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft vor.


Quelle: europapress.es

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