Tot und lebendig: Alarm auf Mallorcas Hühnerfarm

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Manacor

Tot und lebendig: Alarm auf Mallorcas Hühnerfarm

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Bilder, die unter die Haut gehen

Wer glaubt, dass Massentierhaltung nur ein abstraktes Problem ist, sollte sich die Aufnahmen aus Manacor ansehen. Die Tierschutzorganisationen Arde und Satya Animal haben bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet – und die Beweislage ist erschütternd. In der Geflügelfarm Es Caparó, einer der größten Anlagen Mallorcas, teilen sich lebende und verrottende Tiere buchstäblich denselben Stall. Wer hier noch von einem Einzelfall spricht, verkennt die Systematik des Grauens.

180.000 Tiere – und kaum eine intakte Feder

Die von den Aktivisten vorgelegten Videoaufnahmen, entstanden im Juli dieses Jahres und durch ein veterinärmedizinisches Gutachten der Kollegin Alba Nieto Palau untermauert, zeigen Zustände, die man sonst nur aus Skandalreportagen über verwahrloste Tierheime kennt: extensive Federverluste bei den Legehennen, Kadaver verteilt über die gesamte Anlage, ein totes Tier, das qualvoll in einer Käfigstruktur verendete. Die Gutachterin spricht von „signifikanten und anhaltenden Mängeln" bei den Hygienebedingungen – insbesondere wegen einer „langanhaltenden und verdichteten" Exkrementansammlung. In einigen Fällen liegen die Eier direkt auf den Ausscheidungen oder neben verwesten Artgenossen.

Ein Fall für die Justiz, nicht für die PR-Abteilung

Das Brisante daran: Es ist bereits die zweite Anzeige innerhalb weniger Tage. Schon am Dienstag hatten die Organisationen die Farm Mirabó ins Visier genommen – mit ähnlich verstörenden Erkenntnissen: Kannibalismus, Milben in den Eiern, verendete Tiere. Beide Betriebe gehören zum Imperium von Avícola Son Perot, das laut Aktivisten rund 56 Millionen Eier pro Jahr produziert. Eine Zahl, die man sich bewusst machen sollte, wenn man bedenkt, dass dieser Konzern offenbar nicht in der Lage ist, grundlegende Hygienestandards einzuhalten.

Die Reaktion des Unternehmens? Man fühle sich „einer Kampagne der Tierrechtler ausgesetzt". Eine bequeme Argumentation, die an Realitätsverweigerung grenzt. Es geht hier nicht um politische Gesinnung, sondern um Lebensmittelsicherheit. Wenn tote Hühner neben lebenden liegen und deren Eier mit Fäkalien in Kontakt kommen, dann ist das kein PR-Problem – das ist eine Frage des Verbraucherschutzes. Dass die Firma in der Vergangenheit bereits wegen Mängeln in anderen Betrieben sanktioniert wurde, spricht eine deutliche Sprache.

Anrainer leiden seit Jahren

Die Missstände beschränken sich indes nicht auf die Ställe selbst. Anwohner berichten seit Jahren über Fliegenplagen und Gestank, der von der Farm und den angrenzenden Entsorgungsflächen für Hühnermist ausgeht. Ihr Brunnenwasser ist mit Nitraten belastet – das Trinken oder Kochen damit ist längst riskant. Während die Behörden offenbar zu lange weggesehen haben, sind es am Ende die Bürger, die die Zeche zahlen.

Die Gutachten und Aufnahmen liegen nun der Conselleria für Landwirtschaft, Fischerei und Umwelt sowie der Staatsanwaltschaft vor. Die Frage ist nicht mehr, ob es Missstände gibt – sondern ob die Justiz endlich ihrer Verantwortung gerecht wird. Die Verbraucher sollten genau hinschauen, was auf ihrem Frühstückstisch landet – und von welchem Betrieb es stammt.

Wie das Nachrichtenportal Europa Press berichtet, stützen sich die Vorwürfe auf rund 30 Minuten Videomaterial sowie ein Gutachten der Veterinärin Alba Nieto Palau.


Quelle: europapress.es

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