Massive Missstände auf Mallorcas Hühnerfarm bestätigt

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Manacor

Massive Missstände auf Mallorcas Hühnerfarm bestätigt

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Behördeninspektion nach gravierenden Vorwürfen

Die balearische Landesregierung hat am Dienstagmorgen unangekündigt einen Geflügelbetrieb in Manacor unter die Lupe genommen. Zuvor hatten die Tierschutzorganisationen Arde und Satya Animal bei der Staatsanwaltschaft und dem Landwirtschaftsministerium Anzeige erstattet. Die Aktivisten dokumentierten eigenen Angaben zufolge einen erbärmlichen Zustand der Anlage: verendete Tiere, kranke Hühner und befallene Eier.

"Wir haben eine Untersuchung eingeleitet, um den Zustand der Farm zu prüfen", erklärte Umweltminister Joan Simonet am Rande einer Parlamentssitzung. Die vorgelegten Aufnahmen seien "besorgniserregend" und müssten genauestens ausgewertet werden.

Betrieb bereits geleert

Die betroffene Anlage in der Nähe des Landguts Maribó umfasst zwei Ställe mit einer Kapazität für rund 40.000 Tiere. Sie werden von der Firma Avícola Ballester betrieben. Seit vergangener Woche stehen die Hallen nach offiziellen Angaben jedoch leer. Die Hühner wurden mit behördlicher Genehmigung in ein Schlachthaus in Murcia transportiert.

Wie das Ministerium auf Nachfrage erklärte, seien die Tiere aus dem Stall ohne Salmonellenbefund regulär abtransportiert worden. Für die zweite Halle mit nachgewiesenem Befund lag ebenfalls eine Transportfreigabe vor. Das Schlachthaus in Murcia habe die Ankunft der Lieferung inzwischen bestätigt.

Vorgeschichte des Betriebs

Die Kontrollbehörden hatten bereits im August 2025 einen Salmonellen-Ausbruch in einem der beiden Ställe festgestellt. Nach der Entdeckung beantragte das Unternehmen, die Eierproduktion für die Weiterverarbeitung zu Flüssigei freigeben zu lassen. Die Behörde erteilte die Genehmigung, der Betrieb produzierte unter diesen Auflagen, bis vor rund einer Woche die Räumungsanträge eingingen.

Nach Angaben des Ministeriums gibt es bislang keinerlei Anzeichen dafür, dass Verbraucher durch die kontaminierten Produkte zu Schaden gekommen sind. Im vergangenen Jahr führten die Kontrolleure auf den Balearen insgesamt 23 Inspektionen in Geflügelbetrieben durch – nur fünf Proben fielen positiv aus, eine davon stammte von dem nun überprüften Hof in Manacor.

Kein Zusammenhang mit geplantem Neubau

Simonet stellte klar, dass die aktuelle Inspektion nichts mit einem geplanten Neubau der Firma im nahegelegenen Son Brau zu tun hat. Dort will Avícola Ballester eine Anlage für bis zu 80.000 Legehennen errichten. Laut Minister laufen die Prüfungen zur Umweltverträglichkeit jedoch noch, Gutachten von Gemeinden sowie Behörden für Wasser und Mobilität würden derzeit gesammelt.

Auf die Frage, ob die wiederholten Beschwerden gegen die Firma die Genehmigung des neuen Projekts gefährden könnten, antwortete Simonet deutlich: "Wir dürfen solche Überlegungen nicht in ein Verwaltungsverfahren einfließen lassen – das käme einer Rechtsbeugung gleich." Man müsse sich strikt an die rechtlichen Rahmenbedingungen halten.

Vorwürfe der Firma gegen Tierschützer

Die Firma hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und von einer "perfekt orchestrierten Kampagne" gesprochen, deren Ziel es sei, das Unternehmen zu schädigen. Simonet wollte diese Vorwürfe nicht kommentieren: Er kenne die Aussagen nicht, das Unternehmen könne selbst entscheiden, welche Schritte es unternehmen wolle – unabhängig vom Vorgehen der Behörden.

Die balearische Landesregierung sieht sich offenbar mit einem wachsenden Problem konfrontiert. Bereits im vergangenen Jahr waren ähnliche Vorwürfe gegen einen Großbetrieb in Llucmajor laut geworden. Wie die Zeitung Ultima Hora berichtet, prüfen die Behörden inzwischen, ob die Beobachtungen der Tierschützer als Grundlage für ein Verwaltungsverfahren ausreichen.


Quelle: europapress.es

Mehr aus Manacor & Mallorca & Balearische Inseln & Spanien