Wellness-Wochenende für Familien auf Mallorca

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Mallorca

Wellness-Wochenende für Familien auf Mallorca

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Wellness statt Liegenstuhl: Neues Konzept fordert den Pauschalurlaub heraus

Während andere noch darüber diskutieren, wie man die Freizeitgesellschaft zu mehr Bewegung motiviert, ziehen die Behörden auf Mallorca einfach los. Die „Estades saludables“ – zu Deutsch: gesunde Aufenthalte – sind der Versuch, den klassischen Familienurlaub radikal umzudeuten. Statt Buffet und Ballermann soll es künftig um Hanteln und Herzgesundheit gehen. Eine kluge Provokation, die zeigt, dass Gesundheitspolitik nicht im stillen Kämmerlein stattfindet, sondern dort, wo die Menschen ihre Freizeit verbringen.

Mehr als nur Bauchmuskeln: Das Programm hat es in sich

Das Pilotprojekt, das am vergangenen Wochenende im Valentin Grand Park Suite Hotel in Peguera über die Bühne ging, ist bemerkenswert ambitioniert. Geboten wird ein Intensivprogramm, das sich gewaschen hat: Hochintensives Intervalltraining (HIIT) am Morgen, gefolgt von systemischen Übungen, Krafttraining, Hypopressiven, funktionellem Pilates, Hatha Yoga und Nordic Walking. Dazu gesellen sich Workshops zu Ernährung, Musiktherapie, bewusster Atmung und Achtsamkeit. Das ist kein Wellness-Schnickschnack für Wohlstandsbürger – das ist ein Rundumschlag gegen den Bewegungsmangel, der in Europa längst zur Volkskrankheit geworden ist.

Der Clou: Während sich die Erwachsenen in Schwitzen und Selbsterfahrung üben, werden die Kinder pädagogisch wertvoll bespaßt. Ein paralleles Programm mit altersgerechten Spiel- und Sportangeboten macht aus der Veranstaltung ein echtes Familienprojekt. Damit wird das oft zitierte Argument der mangelnden Zeit für Gesundheitsvorsorge elegant entkräftet – wer will, kann hier beides verbinden.

Politischer Rückenwind für einen Paradigmenwechsel

Dass dieses Projekt nicht einfach nur eine nette Freizeitidee ist, zeigt der Besuch von Pedro Bestard, dem Inselrat für Umwelt, Landwirtschaft und Sport. Er nahm sich die Zeit, das Programm persönlich in Augenschein zu nehmen – gemeinsam mit Javier Tascón, dem Sportdezernenten von Calvià. Bestards Aussage ist dabei Programm: Sport sei mehr als Training und Leistung, er sei ein Werkzeug für Gesundheit, Bildung und sozialen Zusammenhalt. Genau diese Haltung ist es, die in der deutschen Gesundheitspolitik oft schmerzlich vermisst wird. Während hierzulande über Präventionsgesetze gestritten wird, setzt Mallorca auf konkrete Angebote mit einem klaren Fokus auf die Familie als Keimzelle der Gesundheitserziehung.

Natürlich wird es Kritiker geben, die einwenden, dass solche Wochenenden nur die ohnehin Gesundheitsbewussten erreichen. Doch dieser Einwand verfängt nicht. Jedes Programm, das aus dem Elfenbeinturm der Sportmedizin und der Ernährungswissenschaft heraustritt und in die Lebensrealität der Menschen vordringt, ist ein Gewinn. Die Initiatoren haben verstanden, dass Gesundheit nicht verordnet, sondern erlebt werden muss.

Die Rechnung scheint aufzugehen: Wer einmal die Erfahrung gemacht hat, dass ein Spaziergang mit Stöcken mehr Energie gibt als ein Mittagsschläfchen, der wird vielleicht nicht so schnell zum Marathonläufer – aber er hat eine Tür geöffnet bekommen. Das ist mehr, als manch großangelegte Aufklärungskampagne bisher erreicht hat.

Wie die Veranstalter mitteilen, ist das Format als dauerhaftes Angebot angelegt. Wenn es nach den Machern geht, werden die „Estades saludables“ bald zum festen Bestandteil des touristischen Sommerangebots auf der Insel gehören. Ein Modell, das man auch andernorts ernsthaft prüfen sollte – denn die Rechnung ist einfach: Mehr Bewegung und bessere Ernährung im Alltag sparen am Ende Millionen im Gesundheitssystem. Mallorca macht hier vor, wie pragmatisch Gesundheitsförderung aussehen kann – ohne moralischen Zeigefinger, dafür mit Spaß und konkreten Ergebnissen.


Quelle: europapress.es

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