Andalusien: Wohnungsnot wird zum Gesundheitsrisiko

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

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Andalusien: Wohnungsnot wird zum Gesundheitsrisiko

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Initiative im andalusischen Parlament

Die sozialistische Fraktion (PSOE-A) will das andalusische Parlament dazu bewegen, die Landesregierung per Resolution zu einem grundlegenden Kurswechsel in der Sozialpolitik aufzufordern. Konkret geht es um die Verknüpfung von Wohnraumverlust und gesundheitlicher Versorgung. Ein entsprechender Antrag soll laut Europa Press in der Plenarsitzung am kommenden Donnerstag eingebracht werden.

Wohnungsnot als klinischer Faktor

Im Zentrum des Vorstoßes steht die Forderung nach einem "Programa Andaluz de Vivienda y Salud". Dieses Programm soll innerhalb von sechs Monaten ausgearbeitet werden und der Gesundheitsverwaltung unterstellt sein. Der Kern der Initiative: Wohnungsunsicherheit soll offiziell als sozialer Determinant für Gesundheit anerkannt werden. Die Fraktion argumentiert, dass die Angst vor dem Verlust der Wohnung, wiederholte Umzüge oder eine übermäßige finanzielle Belastung durch Miete erwiesenermaßen zu Dauerstress, Angstzuständen und Depressionen führen können.

Das beantragte Programm sieht ein mehrstufiges System vor. Zunächst soll ein Überwachungssystem für die Bereiche Wohnen und Gesundheit etabliert werden, das in die öffentliche Gesundheitspflege integriert ist. Über die Gesundheitsdistrikte soll erfasst werden, wie sich Zwangsräumungen, Überbelegung oder Energiemangel auf Behandlungsverläufe auswirken.

Schutz für vulnerable Patientengruppen

Ein zentraler Bestandteil ist die Einführung eines "Berichts zur gesundheitlichen Vulnerabilität" mit Bezug zur Wohnsituation. Dieser Bericht soll in den Informationssystemen des andalusischen Gesundheitsdienstes (SAS) verankert werden. Ärzte könnten damit dokumentieren, wenn mangelhafte Wohnbedingungen eine bestehende Krankheit verschlimmern oder eine Therapie gefährden. Besonderes Augenmerk gilt dabei laut Antragstext chronisch Kranken, Kindern, Senioren, Menschen mit Behinderung oder jenen mit psychischen Erkrankungen.

Für akute Notfälle wird ein beschleunigter Sanitätskreis gefordert. Dieser soll eine bevorzugte Bewertung der Betroffenen, die Ausstellung des genannten Berichts sowie die Koordination der Hilfeleistung sicherstellen. Mit Einwilligung des Patienten sollen die Behörden eingeschaltet werden, um rechtliche Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Personalaufbau und Klinikprotokolle

Um die Maßnahmen umzusetzen, verlangt die Fraktion einen Stärkungsplan für das Fachpersonal. Zunächst sei eine Bedarfskarte für jeden Gesundheitsdistrikt zu erstellen, gefolgt von einem Einstellungsfahrplan. Der Fokus liegt auf der Aufstockung des medizinischen Sozialdienstes, vor allem in der Primärversorgung, der Psychiatrie und den Notaufnahmen. Auch spezialisierte Pflegekräfte für Familien- und Gemeindegesundheit werden explizit genannt.

Für Krankenhäuser wird ein konkretes Datum genannt: Im Jahr 2027 soll ein "Protokoll für sichere Entlassung" in allen öffentlichen Kliniken gelten. Dieses Protokoll soll sicherstellen, dass obdachlose Patienten oder jene in prekären Wohnverhältnissen das Krankenhaus nicht ohne Anschlussversorgung verlassen. Bereits bei der Aufnahme soll die Wohnsituation erfasst werden, um die Entlassung frühzeitig planen zu können.

Finanzierung und Kontrolle

Die Sozialisten fordern zudem eine spezifische Haushaltslinie im Budget für 2027, um das Programm zu finanzieren. Schließlich soll die Regierung verpflichtet werden, dem Parlament jährlich einen Evaluationsbericht vorzulegen. Dieser müsse unter anderem die Anzahl ausgestellter Vulnerabilitätsberichte, die Entwicklung der Personalstellen und die tatsächlich ausgegebenen Mittel offenlegen.

Zur Untermauerung ihrer Forderung verweist die Fraktion auf Daten aus der andalusischen Sozialerhebung 2025 zum Thema Wohlbefinden. Demnach gibt fast jeder fünfte Andalusier an, dass der Zugang zu Wohnraum seine Gesundheit negativ beeinträchtigt. Besonders alarmierend sei der Wert bei den 25- bis 34-Jährigen, wo die Rate auf 39 Prozent ansteigt.

Wie Europa Press berichtet, basiert die Initiative auf einem Antrag, der die Wohnungsfrage als "klinisch relevante Information" einstuft, sobald sie Krankheiten auslöst oder Behandlungen behindert. Die Debatte im Parlament wird mit Spannung erwartet, da sie die soziale Schlagkraft der Regierungspolitik in Zeiten der Wohnungskrise auf den Prüfstand stellt.


Quelle: europapress.es

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