Kanaren warnen vor sozialem Unmut

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Kanarische Inseln

Kanaren warnen vor sozialem Unmut

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Die kanarische Regierung zeigt sich besorgt über die zunehmende Frustration junger Menschen auf den Inseln. Präsident Fernando Clavijo warnte bei einer Wirtschaftskonferenz in Las Palmas vor sozialen Spannungen, sollte sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt nicht bald verbessern. Er zog dabei einen direkten Vergleich zu den jüngsten Protesten in Bilbao und Barcelona, die er als Ausdruck einer tiefen Verunsicherung der Generation unter 35 Jahren wertete.

"Wir müssen mit allen Mitteln verhindern, dass sich solche Szenen hier wiederholen", so Clavijo. Seiner Analyse nach haben viele junge Kanarer das Gefühl, trotz guter Ausbildung und festem Arbeitsplatz keinen Plan für ihr Leben entwickeln zu können. Sie absolvierten Praktika, schlössen Studiengänge ab und fänden dennoch keine bezahlbare Bleibe. "Sie haben genau das getan, was man ihnen gesagt hat – und kommen trotzdem nicht voran", betonte der Präsident.

Wirtschaftswachstum erreicht Familien nicht

Obwohl die Wirtschaft der Inseln zuletzt überdurchschnittlich gewachsen sei und die Jugendarbeitslosigkeit auf einem historischen Tiefstand liege, komme dieser Aufschwung nicht bei den Haushalten an, räumte Clavijo ein. Man könne zwar sagen, dass es den Kanaren wirtschaftlich gut gehe, „aber den kanarischen Familien geht es nicht so gut", sagte er und verwies auf die steigenden Lebenshaltungskosten und explodierende Mietpreise.

Um die strukturellen Probleme in den Griff zu bekommen, setzt die Regionalregierung auf ein Bündel von Maßnahmen. Dazu gehören laut Clavijo die Bereitstellung von mehr Bauland, schnellere Genehmigungsverfahren und verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten für den Wohnungsbau. Zudem sei geplant, junge Käufer unter 40 Jahren bei Immobilien mit einem Preis von unter 200.000 Euro von der kanarischen Steuer IGIC zu befreien. Die Regelung ist Teil des neuen Haushaltsentwurfs der Regierung.

Milliarden für den sozialen Wohnungsbau

Ein Schwerpunkt liegt auf der Schaffung von öffentlichem Wohnraum. Hierfür hat die Regionalregierung beim Zentralstaat ein spezielles Abkommen beantragt: 105 Millionen Euro soll Madrid beisteuern, weitere 200 Millionen Euro will die Autonomieregierung aus eigenen Mitteln investieren. Dieses Paket sei Teil einer langfristigen Strategie, um die größten Herausforderungen der Inseln – Armut, Ausgrenzung und Wohnungsnot – zu bewältigen.

Clavijo rief zugleich zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Regionalregierung, Zentralstaat und EU auf. Nur mit vereinten Kräften, etwa bei der Umsetzung des sogenannten Dekrets für die Kanaren und der finanziellen Ausstattung im nächsten EU-Haushaltsrahmen, könne man die Zukunft der Inseln sichern. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, warnte der Präsident, dass die Kosten des Nichthandelns am Ende deutlich höher sein dürften als die Investitionen in Wohnraum und soziale Stabilität.


Quelle: europapress.es

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