Madrider Ärzte kündigen neue Streikwellen an

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Madrider Ärzte kündigen neue Streikwellen an

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Konflikt um Arbeitsbedingungen erreicht neue Eskalationsstufe

Die medizinischen Fachkräfte der spanischen Hauptstadt bereiten sich auf eine erneute und deutlich intensivere Protestphase vor. Bereits an diesem Mittwoch werden Ärztinnen und Ärzte sowie weitere medizinische Fachkräfte vor dem Gebäude der Gesundheitsverwaltung in der Calle Aduana zusammenkommen. Die dort geplante Versammlung markiert den Auftakt zu einer Serie von Arbeitsniederlegungen, die sich über mehrere Monate erstrecken soll.

Vier Streikblöcke bis Dezember angekündigt

Die Organisatoren, ein Zusammenschluss mehrerer medizinischer Gewerkschaften und Berufsverbände, haben insgesamt vier Streikphasen angekündigt, die jeweils 72 Stunden andauern sollen. Der erste dieser Blöcke beginnt am Mittwoch um acht Uhr morgens und endet am darauffolgenden Samstag zur gleichen Uhrzeit. Im November sind zwei weitere Streikwellen geplant, die erste vom vierten bis zum siebten November, die zweite vom achtzehnten bis zum einundzwanzigsten November. Der vierte und vorerst letzte Streikblock ist für den Zeitraum vom neunten bis zum zwölften Dezember angesetzt.

Vorwürfe des Verhandlungsstillstands

Die Aktionen richten sich gegen die Regionalregierung, der die Verantwortung für das Gesundheitswesen in der Autonomen Gemeinschaft Madrid obliegt. Die Streikleitung wirft der Verwaltung vor, die Verhandlungen über dringend benötigte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zu blockieren. Besonders kritisiert wird, dass die letzte offizielle Gesprächsrunde bereits im Juli stattgefunden hat, ohne dass seither konkrete Fortschritte erzielt wurden. Die Behörden hatten damals zugesagt, einen Terminplan für weitere Gespräche zu erstellen, doch die Medizinervertreter berichten, dass sie seitdem keine Nachrichten oder Entwicklungen erhalten hätten.

Bereits vor der Sommerpause hatte es in der Region einen unbefristeten, aber intermittierenden Streik gegeben. Die landesweiten Protestaktionen wurden zwar ausgesetzt, da nach der vorgezogenen Neuwahl des nationalen Parlaments kein direkter Verhandlungspartner zur Verfügung stand. Die Madrider Organisationen haben ihre Bemühungen jedoch auf die regionale Ebene fokussiert, da die Autonome Gemeinschaft für die meisten der geforderten Änderungen zuständig ist.

Forderungen nach besserer Bezahlung und mehr Anerkennung

Das Forderungspaket der Streikenden ist umfangreich. Im Zentrum steht die Einführung eines neuen, offenen und dauerhaften Modells für die berufliche Laufbahn. Zudem verlangen die Mediziner eine angemessene finanzielle Anerkennung für die besonderen Anforderungen und die hohe Verantwortung ihres Berufsstandes. Ein weiterer zentraler Punkt ist die vollständige Anrechnung der gesamten Arbeitszeit sowie eine bessere Vergütung von Bereitschaftsdiensten. Diese sollen zudem grundsätzlich freiwillig sein und unter angemessenen Bedingungen stattfinden.

Darüber hinaus fordern die Gewerkschaften die Nachzahlung eines Übergangszuschlags als Ausgleich für die 2010 gekürzten Sonderzahlungen. Auch die Einrichtung eines speziellen Verhandlungsgremiums für medizinische Angelegenheiten wird verlangt, das zwar angekündigt, aber bisher nicht einberufen wurde. Zusätzlich zu den allgemeinen Forderungen gibt es spezifische Anliegen für Ärzte in der Ausbildung, die bessere Gehälter und eine Anerkennung ihrer Ausbildungszeit für die Berufslaufbahn wünschen.

Kritik an festgelegten Mindestdiensten

Die Gesundheitsverwaltung hat für die Streiktage verbindliche Mindestdienste festgelegt, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Diese sehen unter anderem vor, dass beim Notdienst Summa 112 die volle Personalstärke an medizinischem Personal eingesetzt wird. In den Krankenhäusern orientiert sich die Personalbemessung an der Besetzung an Wochenenden und Feiertagen, wobei zusätzliche Dienste für viele Abteilungen wie Notaufnahmen, Intensivstationen, Operationssäle und Onkologie vorgeschrieben sind. Diese Mindestdienste dürfen jedoch 35 Prozent der regulären ärztlichen Belegschaft nicht überschreiten.

Die Streikleitung betrachtet diese Vorgaben als überzogen und bezeichnet sie als missbräuchlich. In den Gesundheitszentren der Primärversorgung müssen bei einer bestimmten Mindestgröße der Einrichtung zwei Allgemeinmediziner und ein Kinderarzt pro Schicht verfügbar sein. Die Medizinervertreter sehen durch diese Regelungen die Wirkung ihrer Protestmaßnahmen erheblich eingeschränkt.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, hat sich die Lage zwischen den Konfliktparteien in den letzten Monaten deutlich verhärtet. Die Ärzte werfen der Verwaltung vor, ihre Zusagen nicht einzuhalten und die seit langem bestehenden Probleme nicht anzugehen. Die Verwaltung verweist auf die Notwendigkeit, die Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten. Eine schnelle Einigung ist derzeit nicht in Sicht, da die nächsten Streiktermine bereits feststehen.


Quelle: europapress.es

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