Renfes Milliardenauftrag: Siemens schlägt Hitachi knapp

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Spanien

Renfes Milliardenauftrag: Siemens schlägt Hitachi knapp

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein knapper Sieg mit Folgen

Der spanische Bahnbetreiber Renfe hat die Weichen für die Zukunft seiner Flotte gestellt: Den Zuschlag für bis zu 40 neue AVE-Züge erhält der deutsche Hersteller Siemens. Die Entscheidung fiel nach einem langen Auswahlprozess, bei dem der Konkurrent Hitachi nur knapp unterlag. Ausschlaggebend waren neben der technischen Bewertung vor allem deutliche Vorteile beim geplanten Lieferzeitplan, wie mit der Angelegenheit vertraute Kreise berichten.

Ein Prototyp überzeugt die Kommission

Das Rennen um den milliardenschweren Auftrag, der ein Volumen von rund 1,2 Milliarden Euro für 30 fest bestellte Züge (mit Option auf 10 weitere) hat, war überraschend eng. In der Gesamtwertung erzielte Siemens 81,1 von 100 möglichen Punkten, während Hitachi auf 79,8 Punkte kam. Besonders interessant ist der Hintergrund: Siemens setzte sich mit dem Velaro Novo durch, einem Modell, das bislang in keinem Land im kommerziellen Einsatz ist. Hitachi hingegen bot mit dem Frecciarossa eine Weiterentwicklung eines etablierten Zugtyps an, der in Spanien bereits in Form der Iryo-Züge verkehrt.

Trotz des Prototyp-Status verwies die Bewertungskommission auf die lange Entwicklungszeit des deutschen Zuges. Zudem wird der Velaro Novo bereits für Projekte in den USA und Vietnam gehandelt. Intern wird argumentiert, dass auch frühere Renfe-Beschaffungen wie der Talgo 106, der nach seiner verspäteten Lieferung mit technischen Problemen kämpfte, zunächst unbekannte Modelle waren.

Zeitplan als entscheidender Faktor

Die operative Bewertung zeigt, dass beide Hersteller die ursprünglichen Vorgaben von Renfe in Teilen unterboten. Während Hitachi den Beginn der Testphase für den ersten Zug bereits nach 12 bis 14 Monaten in Aussicht stellte und damit schneller war als Siemens (23 Monate), punktete der deutsche Konzern bei der Gesamtauslieferung. Renfe verlangte die Übergabe aller Züge spätestens 78 Monate nach Vertragsunterzeichnung. Siemens verpflichtet sich nun, die komplette Flotte bereits nach 62 Monaten zu liefern und unterbietet die Vorgabe damit um 16 Monate.

Auch bei der ersten Tranche zeigt sich das Engagement: Die ersten fünf Züge sollen bereits nach 39 Monaten übergeben werden, ein Monat früher als gefordert. Als weiteres Plus wertete Renfe die technische Ausstattung des Siemens-Zuges, darunter eine Notstromversorgung mit einer Reichweite von 20 Kilometern beziehungsweise einer Kapazität von vier Stunden.

Wirtschaftlichkeit und Ausblick

Neben den technischen Aspekten gab auch das finanzielle Angebot den Ausschlag. Hier erzielte Siemens die volle Punktzahl, während Hitachi bei diesem Kriterium 1,1 Punkte weniger erhielt. Die nun ausgewählten Züge sollen künftig auf der stark frequentierten Strecke Madrid-Barcelona zum Einsatz kommen und Geschwindigkeiten von bis zu 350 km/h erreichen.

Die Entscheidung von Renfe fiel am Dienstag im Rahmen einer Sitzung des Verwaltungsrats unter Leitung von Álvaro Fernández Heredia. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, wird die Unterzeichnung des Vertrags nun in den kommenden Wochen erwartet, womit der Grundstein für die nächste Generation der spanischen Hochgeschwindigkeitsflotte gelegt wäre.


Quelle: 20minutos.es