
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Kanaren fordern Notfallplan von Sánchez
Ein Hilferuf mit Ansage
Die Geduld ist erschöpft, die Warnungen waren laut und deutlich – doch angekommen ist in Madrid offenbar wenig. Fernando Clavijo, Präsident der Kanarischen Inseln, hat genug von der Vogel-Strauß-Politik der Zentralregierung. In einem Brief an Pedro Sánchez fordert er ein „dringendes Maßnahmenpaket“ gegen den erneuten Anstieg der Migrantenankünfte. Es ist ein Weckruf, der hätte nicht kommen müssen.
Die Zahlen geben Clavijo recht: Allein im Oktober erreichten 3.814 Menschen die Inseln, fast 2.800 davon die kleine Insel El Hierro. Die Atlantikroute ist wieder voll aktiv – und genau das hatten die Kanaren seit Monaten prophezeit. Wer jetzt überrascht tut, hat entweder die Lageberichte nicht gelesen oder will sie nicht lesen.
Sechs Punkte, die keine Diskussion zulassen
Clavijos Forderungskatalog ist kein Wunschzettel, sondern eine Abrechnung mit der bisherigen Untätigkeit. Ganz oben steht die sofortige Einberufung der Sicherheitskonferenz zwischen der Region und dem Staat. Dazu kommt ein außerordentlicher Notfallplan, der nicht nur El Hierro, sondern auch Lanzarote, Fuerteventura und Gran Canaria in den Blick nimmt.
Besonders brisant: Der Kanaren-Chef will wissen, welche Ressourcen die Zentralregierung bereits vor dem Anstieg mobilisiert hat – und welche noch auf ihre Entsendung warten. Eine berechtigte Frage, denn die staatlichen Informationen über die Wiederbelebung der Route waren offenbar vorhanden. Wie die Zeitung Europa Press berichtet, verweisen sowohl Geheimdienstberichte vom Juli als auch der Regierungsdelegierte in der Region auf entsprechende Warnsignale.
Brüssel ist gefordert, nicht nur Madrid
Doch Clavijo belässt es nicht bei nationalen Appellen. Er fordert Sánchez auf, in Brüssel vorstellig zu werden. Die Mechanismen des EU-Migrationspakts sollen aktiviert, Frontex stärker eingebunden werden. Zudem schwebt ihm ein europäisches Notfallsystem für die Außengrenzen vor, das ausdrücklich die Kanaren als Region in äußerster Randlage berücksichtigt.
Der Vorwurf, der zwischen den Zeilen mitschwingt, ist deutlich: Die Kanaren werden mit einem Problem alleingelassen, das ganz Europa betrifft – während Madrid und Brüssel lieber auf Zeit spielen. Clavijos Botschaft ist unmissverständlich: Ohne Koordination, ohne finanzielle Unterstützung und ohne Solidarität wird die Lage eskalieren. Und diesmal soll niemand behaupten können, nicht gewarnt worden zu sein.
Quelle: europapress.es