Ein Fest der Nationen feiert Jubiläum

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Estepona

Ein Fest der Nationen feiert Jubiläum

von Redaktion

Ein Vierteljahrhundert gelebter Willkommenskultur

Seit einem Vierteljahrhundert ist es das wohl bunteste Datum im Kalender der andalusischen Küstenstadt: Der „Día del Residente Extranjero“, der Tag des ausländischen Mitbürgers, hat in Estepona Jubiläum gefeiert. Was einst vielleicht als gut gemeinte Geste begann, hat sich zu einem festen und bedeutenden Bestandteil des städtischen Lebens entwickelt. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, versammelten sich am vergangenen Wochenende im Umfeld der Torre Mirador del Carmen erneut Einwohner aus aller Welt, um ihre Kultur zu teilen.

Die Botschaft der Veranstaltung ist eindeutig und wird von den Organisatoren klar benannt: Es geht um das „Engen von Bindungen“ und das „Fördern des Zusammenlebens“ zwischen den Nationalitäten, wie die für die Außenbezirke zuständige Bürgermeister-Stellvertreterin Begoña Ortiz laut einer Pressemitteilung des Rathauses betonte. In einer Zeit, in der europaweit der politische Diskurs um Migration oft von Abschottung und Konfrontation geprägt ist, setzt Estepona damit ein bewusstes und kraftvolles Kontrastprogramm. Die Stadt inszeniert sich nicht als passive Heimat für Expats, sondern als aktiver Gastgeber, der Vielfalt als Bereicherung feiert.

Vom Stand bis zur Bühne: 26 Nationen zeigen Flagge

Die Theorie der Integration wurde an diesem Tag in pure Praxis übersetzt. Fast dreißig Stände luden dazu ein, in kulinarische Spezialitäten, Kunsthandwerk und Traditionen einzutauchen. Die Bandbreite der vertretenen Länder ist bemerkenswert und spiegelt die demografische Realität an der Costa del Sol wider: Von den großen lateinamerikanischen Communities aus Kolumbien, Argentinien und Venezuela über europäische Nachbarn aus Frankreich, Italien und dem Vereinigten Königreich bis hin zur skandinavischen Präsenz, vertreten durch den Nordic Club, war die globale Dorfgemeinschaft Esteponas versammelt. Neu mit dabei war in diesem Jahr Österreich.

Der eigentliche Pulsschlag des Festes jedoch schlug auf der Bühne. Von dänischer Musik über kolumbianische Salsa-Rhythmen, die von dem langjährigen Mitwirkenden Herling „H-Cantante de Salsa“ Robins intoniert wurden, bis zu ukrainischen Volkstänzen des Malagaer Kollegs „Barvinok“ reichte das Programm. Selbstverständlich kam auch die andalusische Folklore nicht zu kurz – eine kluge Geste, die zeigt, dass Integration keine Einbahnstraße ist, sondern ein gegenseitiger Austausch auf Augenhöhe.

Mehr als Folklore: Die Anerkennung der Brückenbauer

Das wahre Fundament dieser gelungenen Integration aber sind Menschen und Institutionen, die dauerhaft Brücken bauen. Das Jubiläum nutzte die Stadt, um genau diese Verdienste anzuerkennen. In diesem Jahr wurde nicht nur ein „ausländischer Mitbürger des Jahres“ gekürt, sondern erstmals auch die lokale internationale Presselandschaft gewürdigt. Zeitschriften wie „Spanien Aktuell“, „Sur in English“, „Svenska Magasinet“ oder „La Danesa“ erhalten eine Ehrung, wie aus dem Veranstaltungsprogramm hervorgeht.

Diese Entscheidung ist politisch klug und inhaltlich tiefgründig. Sie würdigt, dass Integration auch über Information und die Schaffung von Öffentlichkeit funktioniert. Diese Medien sind oft die erste und wichtigste Informationsquelle für Neuankömmlinge und halten den Dialog zwischen den Kulturen im Alltag am Laufen. Ihre Auszeichnung zeigt, dass die Stadtverwaltung die Mechanismen der Zivilgesellschaft versteht und wertschätzt.

Ein Modell mit Strahlkraft – und klaren Grenzen

Esteponas Fest ist zweifellos ein leuchtendes Beispiel für kommunale Willkommenskultur. Es schafft Sichtbarkeit, fördert Begegnung und sendet ein positives Signal. Kritiker mögen einwenden, dass ein eintägiges Folklorefest die tieferliegenden Herausforderungen des Zusammenlebens – von Sprachbarrieren über den Zugang zum Arbeitsmarkt bis hin zu sozialer Durchmischung in den Vierteln – nicht lösen kann. Sie haben recht. Ein solcher Tag ist kein Allheilmittel.

Doch er ist ein unverzichtbarer Anfang und ein starkes Symbol. Er stellt die richtige Frage: Wollen wir eine Gesellschaft der parallelen Welten oder eine Gemeinschaft der miteinander feiernden Nachbarn? Estepona hat für Letzteres gestimmt und setzt diese Entscheidung seit 25 Jahren konsequent um. In einer gespaltenen Welt ist das keine Kleinigkeit, sondern ein politischer Akt. Die Message an der Torre Mirador del Carmen ist klar: Vielfalt ist kein Problem, das man verwalten muss, sondern ein Fest, das man feiern kann.

Quellen: Pressemitteilung des Ayuntamiento de Estepona zum 25. „Día del Residente Extranjero“, veröffentlicht über azcostadelsol.com, sowie das offizielle Veranstaltungsprogramm mit der Liste der ausgezeichneten Medien und teilnehmenden Länder.

Mehr aus Estepona & Costa del Sol & Andalusien