
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Wrack vor Marbella identifiziert
Ein havarierter Frachter gibt sein Geheimnis preis
Das Rätsel um ein historisches Wrack vor der Küste von Cabopino bei Marbella ist gelöst. Wie das andalusische Institut für historisches Erbe (IAPH) mitteilt, handelt es sich bei dem vor fast 140 Jahren gesunkenen Schiff um die italienische Brigg Garigliano. Die Identifizierung gelang durch eine aktuelle Untersuchungskampagne, die das IAPH gemeinsam mit der Universität Granada durchgeführt hat.
Die Brigg, die unter neapolitanischer Flagge fuhr, war 1887 von Marseille aus mit Kurs auf Buenos Aires gestartet. Ein schwerer Sturm beendete die Reise jedoch vor der andalusischen Mittelmeerküste. Bei den jüngsten Tauchgängen erfassten die Forscher die noch sichtbare Struktur des Wracks mit einer Länge von rund 34 Metern. Die Dokumentation historischer Schiffsdaten deutet darauf hin, dass das ursprüngliche Schiff etwa 45 Meter lang war.
Die Untersuchungen ergaben zudem, dass das Schiff mit dem Bug zum Strand auflief und stark nach Backbord krängte. Die Experten vermuten, dass die Schiffsseiten infolge der schweren Ladung nachgaben, als das Schiff die Stabilität verlor.
Fracht aus Marseille
Bei den Arbeiten wurden gezielt zwei Probegrabungen durchgeführt. Eine konzentrierte sich auf den Bugbereich und den Mastfuß, die andere auf das Innere des Schiffes, um Aufbau und Laderaum zu analysieren. Ein besonderer Fund gelang bei der Ladung: Die Taucher entdeckten 26 Fässer, die vermutlich römischen Zement enthalten. Proben wurden zur Laboranalyse entnommen, um die Zusammensetzung zu bestätigen. Zuvor hatten Archäologen bereits mehrere Sorten von Fliesen und Ziegeln identifiziert, die aus Töpfereien um Marseille und Aubagne stammen.
Diese Ladung unterstreicht die Bedeutung der Handelsroute im späten 19. Jahrhundert. Die südamerikanische Stadt Buenos Aires befand sich damals in einer Phase rasanter Entwicklung und benötigte dringend Baumaterialien aus dem Mittelmeerraum.
Detaillierte 3D-Dokumentation
Die gesamte Kampagne wurde von einer umfassenden fotografischen und filmischen Dokumentation begleitet. Drohnen- und Unterwasseraufnahmen in 360 Grad ermöglichen einen immersiven Blick auf das Wrack. Zusätzlich wurde eine fotogrammetrische Vermessung durchgeführt, um ein präzises dreidimensionales Modell des Schiffsrumpfs zu erstellen.
Die andalusische Kulturministerin Patricia del Pozo lobte die Arbeit des Zentrums für Unterwasserarchäologie. Die Forschung zur Garigliano ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Das IAPH kündigte an, die Untersuchungen im Jahr 2027 mit weiteren Tauchgängen fortzusetzen, um noch mehr Details über das Schiff und seine letzte Fahrt zu ermitteln.
Quelle: diariosur.es