
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Whisky-Klau im Wert von 200.000 Euro
Edler Tropfen, dreister Coup
Während normale Ladendiebe nach Zigaretten oder Schnaps greifen, haben sich Unbekannte in Andalusien an einer ganz anderen Dimension versucht: Neun Paletten hochwertiger Spirituosen im geschätzten Wert von 200.000 Euro sind das Ziel eines Einbruchs in eine Destillerie im Gewerbegebiet von Padul gewesen. Die Täter kannten offenbar den Wert der Ware – oder hatten einen sehr guten Auftraggeber.
Heikle Details: Hebelspuren und tausend Euro Kleingeld
Die Tat ereignete sich in der Nacht zum Montag, wie die Zeitung Ideal unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtet. Entdeckt wurde der Einbruch erst am Dienstagmorgen, als die Eigentümer die aufgebrochene Hallentür bemerkten. Das Bild im Inneren dürfte ernüchternd gewesen sein: Die Einbrecher durchwühlten die gesamte Anlage und ließen offenbar nichts unangetastet. Neben den edlen Tropfen erbeuteten sie auch rund 1.000 Euro Bargeld, das in den Büroräumen aufbewahrt wurde.
Die unbequeme Wahrheit: Organisierte Banden?
Ein Einbruch dieser Größenordnung – neun Paletten, mehr als 200.000 Euro – wirft Fragen auf. Das ist kein Gelegenheitsdiebstahl. Der Abtransport einer solchen Menge an Flaschen erfordert einen Lastwagen oder einen großen Transporter, logistische Planung und einen Absatzmarkt. Wer klaut 200.000 Euro an Whisky, Brandy oder Wein? Diese Ware lässt sich nicht mal eben auf dem Flohmarkt verkaufen. Es deutet vieles auf ein professionelles Netzwerk hin, das gezielt auf Spirituosen oder Luxusgüter spezialisiert ist und die Beute über den Schwarzmarkt verschiebt. Die Guardia Civil bestätigte lediglich die laufenden Ermittlungen, die konkreten Umstände des Falls sollen nun aufgeklärt werden.
Ein Einzelfall oder ein neuer Trend?
Es wäre naiv zu glauben, dass es sich hier um einen Einzelfall handelt. In Spanien verzeichnen Polizei und Guardia Civil in den letzten Jahren einen Anstieg bei sogenannten „exprés robos" – blitzschnellen Einbrüchen in Gewerbegebiete, bei denen die Täter gezielt hochwertige und leicht transportierbare Ware mitnehmen. Elektronik, Designerkleidung, und nun eben auch Spirituosen. Die Täter schlagen nachts zu, sind in wenigen Minuten fertig und verschwinden. Die Aufklärungsquote ist ernüchternd niedrig. Warum? Weil die Täter oft über die Grenzen der Comunidad Autónoma hinweg agieren, die Ware in Lagern zwischenparken und erst nach Wochen wieder in Umlauf bringen.
Der Fokus liegt falsch: Aufklärung, nicht nur Prävention
Natürlich kann man nun die Unternehmen in die Pflicht nehmen, ihre Hallen besser zu sichern. Doch das greift zu kurz. Es kann nicht sein, dass die Sicherheit von Gewerbegebieten allein Sache der Unternehmer ist. Die Behörden müssen hier umdenken. Es braucht mehr Polizeipräsenz gerade in den Randzeiten, ein Register über gestohlene Spirituosenchargen und eine engere Zusammenarbeit zwischen den Ermittlungsabteilungen der einzelnen Provinzen. Solange ein 200.000-Euro-Diebstahl nur als „Vorfall" behandelt wird, bleibt die Region ein gefundenes Fressen für professionelle Diebesbanden. Der wirtschaftliche Schaden ist eben nicht nur eine Zahl in einer Statistik – er trifft kleine und mittelständische Betriebe, die sich nicht von einem solchen Schlag erholen.
Quelle: europapress.es