
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Francos Opfer kehren nach Hause zurück
Ein Triumph der Erinnerung über das Vergessen
Es ist ein Moment, auf den zwei Familien über acht Jahrzehnte gewartet haben: Am kommenden Montag erhalten die Nachkommen von Felipe Fernández Fajardo und Francisco Rodríguez López endlich die sterblichen Überreste ihrer Vorfahren. Die feierliche Übergabe findet im Kulturzentrum Federico García Lorca in Padul statt – ein Ort, der symbolischer kaum sein könnte. Denn hier, in der Provinz Granada, riss der Terror des Franco-Regimes im Sommer 1936 unzählige Familien auseinander.
Was jahrzehntelang verschwiegen wurde
Die beiden Männer gehören zu den ersten identifizierten Opfern der Massengräber von Padul. Ein interdisziplinäres Team der Universität Granada hat dort bisher 35 Leichen exhumiert, von denen 33 noch immer namenlos sind. Historiker gehen davon aus, dass in den Gräbern des örtlichen Friedhofs insgesamt rund 70 Menschen verscharrt wurden – ermordet in den ersten Monaten nach dem Putsch vom 18. Juli 1936.
Felipe Fernández Fajardo führte ein unauffälliges Leben als Bauarbeiter in Dúrcal. Er war weder politisch aktiv noch sonst wie exponiert – und wurde dennoch verhaftet, nach Padul verschleppt und an der Friedhofsmauer erschossen. Seine Familie wusste jahrzehntelang nicht, wo er lag. Doch sie schwieg nicht – sie suchte.
Francisco Rodríguez López ereilte ein noch grausameres Schicksal: Zusammen mit seiner Frau Enriqueta Guerrero Martín wurde er ermordet. Das Paar zahlte offenbar den Preis für die Flucht ihres Schwiegersohns, eines sozialistischen Jugendsekretärs, den die neuen Machthaber nie fassen konnten. Die Rache traf die Schwiegereltern.
Wenn DNA spricht, verstummt die Propaganda
Dass die Toten nun endlich ihre Namen zurückbekommen, ist der modernen Genetik zu verdanken. Das Labor der Universität Granada verglich DNA-Proben der Nachkommen mit den exhumierten Überresten und erzielte so die zweifelsfreie Identifizierung. Kritiker der Exhumierungspolitik, die die Aufarbeitung der Franco-Verbrechen gerne als "Staubaufwirbeln" diffamieren, werden hier eines Besseren belehrt: Es geht nicht um Rache, sondern um elementare Menschenwürde.
Die Universität Granada setzt ihre Arbeit unbeirrt fort. Als Nächstes stehen die Massengräber von Víznar und Güéjar Sierra auf dem Programm – Orte, die wie Padul für das systematische Morden nach dem Putsch stehen.
Doch ein bitterer Beigeschmack bleibt: Einige Opfer können vorerst nicht geborgen werden, weil Nachfahren von Franco-Profiteuren die notwendigen Grabungen auf ihren Parzellen blockieren. Wer sich heute weigert, die Geschichte ans Licht zu lassen, zeigt damit nur, wessen Erbe er verwaltet.
Am Montag aber gehört die Bühne den Toten und ihren Familien. Felipe und Francisco kehren zurück – nicht als anonyme Nummern in einem Massengrab, sondern als Menschen mit Namen, Gesichtern und Geschichten. Es ist ein Sieg der Menschlichkeit, den kein Dekret und keine Blockade mehr ungeschehen machen kann.
Quelle: Europa Press, Universität Granada
Quelle: europapress.es