Rettungskräfte kritisieren mangelnde Vorbereitung

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Santa Cruz De Tenerife

Rettungskräfte kritisieren mangelnde Vorbereitung

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Personalknappheit auf den Kanaren

Die Lage an der südlichen Seegrenze Europas spitzt sich zu. Marcos Díaz, Gewerkschaftsvertreter der CGT im Betriebsrat von Salvamento Marítimo, hat die staatliche Gesellschaft scharf kritisiert. Er wirft der Unternehmensleitung vor, auf den signifikanten Anstieg der Migrationsroute zu den Kanarischen Inseln nicht rechtzeitig reagiert zu haben. Besonders betroffen ist die Insel El Hierro, wo die Behörden im Oktober einen Zuwachs an Ankünften von etwa 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat registrierten. Rund 6.000 Menschen erreichten die kleinste der kanarischen Inseln.

Fehlende Verstärkung in kritischer Phase

Díaz erläuterte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Europa Press die prekäre Personalsituation. In diesem Jahr wurden demnach drei Rettungsschlepper von den Inseln abgezogen und auf die Halbinsel verlegt. Auf El Hierro müssten nun die beiden verbliebenen Rettungsschiffe, die „Dipha“ und die „Navia“, die gesamte Last tragen. Die Crews arbeiteten am Limit, da jegliche Verstärkung ausbleibe. Der Gewerkschaftsvertreter bemängelt, dass es an einer vorausschauenden Planung fehle. Ein kontinuierliches Monitoring der Ankunftszahlen und der Einsatzbewegungen wäre notwendig, um in Spitzenzeiten sofort Personal und Material bereitstellen zu können. Er befürchtet, dass die Mannschaften letztlich die Folgen der Versäumnisse ausbaden müssten.

Dauerbelastung und wenige Ruhephasen

Die Einsätze fordern ihren Tribut. Díaz berichtet von Kollegen, die in der vergangenen Woche pro Nacht nur zwei bis drei Stunden Schlaf fanden. Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Situation: Ein Crewmitglied werde um 22 Uhr zu einem Einsatz gerufen, kehre um 3 Uhr morgens zurück, versuche nach einer Dusche den Adrenalinspiegel zu senken und werde bereits um 8 Uhr erneut alarmiert. Über einen Monat arbeite man in diesem Rhythmus, so Díaz wörtlich.

Psychische Belastung durch harzige Einsätze

Neben der körperlichen Erschöpfung betont der Gewerkschaftsvertreter die psychischen Belastungen. Die Retter würden regelmäßig mit Toten sowie schwer gezeichneten Erwachsenen und Kindern konfrontiert. Eine Besserung sei nicht in Sicht, denn sobald die aktuelle Wetterberuhigung ende und der Passatwind wieder auffrische, würden die Rettungsmanöver deutlich komplexer.

Díaz warnt vor einem möglichen Sicherheitsrisiko. Nach mehreren Tagen mit 15 bis 18 Stunden Arbeit sei die Konzentrationsfähigkeit massiv eingeschränkt. „Eines Tages wird das ein Problem geben“, prognostiziert er. Ein Einsatz in diesem Erschöpfungszustand sei weder für die Einsatzkräfte noch für die zu Rettenden ungefährlich. Die Arbeitsbedingungen seien auf Dauer nicht tragbar, insbesondere wenn parallel zu den Migrantenankünften ein Notfall mit einer Segeljacht oder einem Kreuzfahrtschiff bewältigt werden müsse.

Angst vor gesundheitlichen Folgen

Die Belastung hinterlässt Spuren in der Belegschaft. Laut Díaz sind mehrere Mitarbeiter auf den Rettungsschiffen gesundheitlich angeschlagen, vermeiden es aber, sich krankmelden zu lassen. Der Grund: Bei einer Arbeitsunfähigkeit würden ihnen Teile des Gehalts gestrichen. So gehe ein völlig erschöpfter Kollege an Bord, was die Lage für das gesamte Team verschärfe. Er beklagt einen „absoluten Mangel an Empathie“ seitens der Unternehmensführung, die kein Interesse am Gesundheitszustand ihrer Angestellten zeige. Man sei sich bewusst, Überstunden zu leisten, erwarte aber zumindest eine gewisse Unterstützung des Arbeitgebers. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, bleibt die Frage nach konkreten Entlastungsmaßnahmen seitens Salvamento Marítimo vorerst unbeantwortet.


Quelle: europapress.es

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