Obdachlos in der Hitzewelle

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Obdachlos in der Hitzewelle

von Clara Weber

Die Temperaturen steigen, und die Empfehlungen lauten, viel zu trinken, die Sonne zu meiden und während der kritischen Stunden zu Hause zu bleiben. Doch was passiert mit Menschen, die keine Wohnung haben? Die aktuelle Hitzewelle macht ihre ohnehin prekäre Lage noch gefährlicher.

Wie die spanische Zeitung 20 Minutos berichtet, zeigen die Zahlen für Madrid, Valencia und Barcelona das Ausmaß des Problems: In Madrid lebten Ende 2025 laut Stadtverwaltung rund 1.100 Menschen auf der Straße. In Valencia waren es offiziell etwa 3.400, und eine Zählung von Arrels Fundació in Barcelona kam im Dezember 2025 auf 1.982 obdachlose Menschen.

Ein Tag ohne Schatten

Aurelia Aguirre (Name geändert) ist 46 Jahre alt und hat acht Monate in Madrid auf der Straße gelebt – nachdem sie ihren Job und alle Rücklagen verloren hatte. „Ich hatte ein völlig normales Leben, ich hätte nie gedacht, dass ich so ende“, erzählt sie. Sie wurde von einem Notfallteam des Samur halb bewusstlos aufgefunden, ausgelöst durch die große Hitze. „Der Körper kollabiert bei dem täglichen Stress und der Erschöpfung. Ich konnte nachts nicht schlafen, dann kam der Hitzschlag und ich war völlig orientierungslos.“

Während der Hitzewelle suchte Aguirre Schutz unter Bäumen, doch oft gab es keinen Platz. „Ich setzte mich auf eine Bank, aber sie war glühend heiß. Ich legte mich auf den Boden, aber der brannte oder war verschmutzt. Dann ging ich in ein Einkaufszentrum und lief dort herum, bis mich das Sicherheitspersonal vertrieb oder abschätzig ansah.“

Spuren der Hitze

Die Folgen der extremen Sonneneinstrahlung sind bei Aurelia sichtbar. Ihr Gesicht ist übersät mit Flecken, verursacht durch UV-Strahlung und Insektenstiche. „Ich hatte vorher keine Probleme mit meiner Haut. Ohne Schutz hat die Sonne sie regelrecht verbrannt.“ Dazu kommen Kopfschmerzen und Schwindel, die sie vorher nicht kannte. „Die Sonne schien direkt auf Augen und Kopf, die Migräne wurde immer schlimmer.“ Trinkwasser zu finden, sei in Madrid nicht einfach: „Manchmal hieß es, ich könne irgendwo Wasser und Essen bekommen, aber ich hatte keine Möglichkeit hinzukommen – außer zu Fuß. Da blieb ich lieber im Schatten, anstatt stundenlang in der Hitze zu laufen.“

Auch die Hygiene ist auf der Straße eine Herausforderung. Aguirre wusch sich in öffentlichen Toiletten und hinterließ sie so sauber wie vorgefunden. „Man schwitzt ständig, egal wie oft man sich wäscht. Der Schweiß riecht nicht nur stark, er verursacht auch Hautreizungen.“ Sie betont: „Manche Menschen verurteilen andere wegen ihres Geruchs. Gut, dass ich das nie getan habe.“

Hilfe, die an Grenzen stößt

Aurelia kam schließlich im Zentrum Cedia unter, das zur Cáritas Diocesana gehört. Das Team dort bot ihr Essen, ein Bett, eine Dusche und das Gefühl, nicht verurteilt zu werden. „Ich war so am Ende, als ich ankam. Es war spät in der Nacht, aber sie haben mich aufgenommen“, sagt sie.

Der Leiter von Cedia, Juan José Gómez-Escalonilla, weist darauf hin, dass die offiziellen Zahlen nur die Spitze des Eisbergs zeigen. „Es gibt eine sehr versteckte Obdachlosigkeit, besonders bei Frauen. Manche zahlen für ein Dach über dem Kopf mit ihrem Körper, bis sie rausgeworfen werden und mit vielen Problemen auf der Straße landen.“

Nicht jede Form von Wohnungslosigkeit bedeutet, im Freien zu schlafen. Viele leben in prekären Verhältnissen, ohne Sicherheit und Schutz. Der städtische Notfallplan für extreme Temperaturen sei gut, aber zeitlich begrenzt: „Der Sommerplan läuft nur eine Woche, obwohl die Temperaturen im Juli an den meisten Tagen über 35 Grad lagen.“ Nötig wären Zentren mit Wasser und Essen von früh bis spät. Viele Obdachlose verbringen die Tage in Bibliotheken oder Geschäften, müssen sich aber verstecken, um nicht rausgeworfen zu werden. Manche fahren mit dem Monatsticket den ganzen Tag Bus und Bahn, weil es kaum Orte gibt, an denen sie ausruhen können.

Der Artikel von 20 Minutos zeigt: Die Hitzewelle ist für Obdachlose nicht nur unangenehm, sondern eine tägliche Bedrohung – und die bestehenden Hilfsangebote reichen oft nicht aus. (Quelle: 20 Minutos)


Quelle: 20minutos.es