
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Neuer Rathauschef nach historischer Abstimmung
Führungswechsel nach monatelanger Krise
Die Kommunalpolitik in Algeciras erlebt einen tiefgreifenden Einschnitt. Am Mittwochvormittag wurde Jacinto Muñoz von der konservativen Volkspartei (PP) offiziell zum neuen Bürgermeister der Hafenstadt ernannt. Der Wechsel an der Spitze des Rathauses ist das Ergebnis eines erfolgreichen Misstrauensvotums, das die PP gemeinsam mit der rechtspopulistischen Partei Vox gegen den bisherigen Amtsinhaber José Ignacio Landaluce eingebracht hatte. Landaluce, ebenfalls Mitglied der PP, war der entscheidenden Sitzung ferngeblieben.
Ablauf der entscheidenden Sitzung
Die Abstimmung endete mit einem klaren Ergebnis: 15 Stadträte stimmten für den neuen Rathauschef. Dieses Lager setzte sich aus zwölf Vertretern der PP und drei Abgeordneten von Vox zusammen. Die sieben Mandatsträger der sozialistischen PSOE enthielten sich der Stimme. Zwei Gegenstimmen kamen von Vicente Palomares (PP) sowie von Gema Amparo Esteve Crespo, die entgegen der Fraktionslinie ihrer Partei Vox votierte.
Zu Beginn der Versammlung gedachten die Anwesenden mit einer Schweigeminute der Opfer des schweren Zugunglücks in Toledo. Nach der Verlesung des Misstrauensantrags und des offiziellen Rücktrittsschreibens von Landaluce, das dieser bereits am vergangenen Sonntag eingereicht hatte, ergriff der designierte Nachfolger das Wort.
Begründung für den Machtwechsel
Muñoz betonte in seiner Rede, die Entscheidung seiner Fraktion sei weder aus persönlichem Ehrgeiz noch aus einem Drang nach Profilierung entstanden. Vielmehr habe man eine außerordentlich ernste Lage vorgefunden. Nach Darstellung des neuen Bürgermeisters habe man Landaluce zunächst gedrängt, sein Amt niederzulegen, um sich ungestört auf seine juristische Verteidigung konzentrieren zu können – eine Bitte, die ungehört blieb.
„Wir haben versucht, diese Misstrauensabstimmung zu vermeiden“, erklärte Muñoz vor den Ratsmitgliedern. Die zwölf PP-Vertreter hätten ihre Unterstützung für den bisherigen Alcalde eingestellt, weil ein Festhalten am Status quo mit ihrer institutionellen Verantwortung nicht mehr vereinbar gewesen sei. Im Raum stehen Vorwürfe zweier Parteimitglieder gegen Landaluce wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe. Muñoz betonte zwar den Respekt für die Unschuldsvermutung, stellte jedoch klar: „Persönliche Loyalität kann die Verantwortung gegenüber der Institution nicht ersetzen.“
Vox sichert Unterstützung zu – mit Bedingungen
Für Vox ergriff Eva Poza das Wort. Sie kritisierte, die Rücktrittsankündigung von Landaluce sei „zu spät“ gekommen und nur durch den Druck der Abstimmung erzwungen worden. Poza kündigte an, ihre Partei werde für den Misstrauensantrag stimmen, ohne dafür Gegenleistungen zu fordern. Weder Ämter noch Posten im Stadtrat seien verhandelt worden. Sie warnte jedoch: „Dies ist kein Blankoscheck.“ Man werde die Arbeit des neuen Bürgermeisters kritisch begleiten und insbesondere die Entscheidungen der Justiz im Zusammenhang mit dessen Aussage als Zeuge im Fall Landaluce genau verfolgen.
Scharfe Kritik aus den Reihen der Sozialisten
Francisco Fernández, Sprecher der PSOE, begründete die Enthaltung seiner Fraktion mit einer deutlichen Abrechnung mit der PP. Er warf der Partei vor, Landaluce trotz vorhandener Beweise – darunter Screenshots, Aufnahmen und interne Kommunikation – lange gestützt zu haben. Dies sei aus wahltaktischem Kalkül und Schadensbegrenzung geschehen, nicht aus Sorge um die mutmaßlichen Opfer. Den beiden Frauen, die Anzeige erstattet haben, sprach Fernández Respekt und Solidarität aus.
Gleichzeitig übte er Kritik am neuen Bürgermeister: Muñoz selbst sei als Zeuge vor Gericht geladen gewesen, und es existiere ein dokumentiertes Schriftstück, das Fragen aufwerfe. Dies bezieht sich auf ein Treffen zwischen Muñoz und einem der mutmaßlichen Opfer. Die Entscheidung zur Enthaltung sei eine Frage von „Kohärenz und Verantwortung“ gewesen.
Die politische Lage in Algeciras bleibt damit angespannt, auch wenn die Stadt nun einen neuen Rathauschef hat. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die Lage im Stadtrat stabilisiert oder neue Konflikte aufbrechen. Wie die Zeitung Europa Press berichtet, bleibt insbesondere die juristische Aufarbeitung der Vorwürfe gegen Landaluce ein entscheidender Faktor für die politische Stimmung in der Stadt.
Quelle: europapress.es