
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Sexualdelikt-Vorwürfe: Algeciras’ Bürgermeister muss vor die Richterin
Ein politisches Erdbeben mit juristischem Nachspiel
Die Vorwürfe wiegen schwer, die politischen Folgen sind bereits jetzt verheerend: José Ignacio Landaluce, konservativer Bürgermeister von Algeciras, muss sich am Freitag vor dem Gericht für Gewalt gegen Frauen verantworten. Die Justiz hat die Anzeige einer Frau gegen den Stadtoberhaupt wegen eines mutmaßlichen Delikts gegen die sexuelle Selbstbestimmung zur Ermittlung zugelassen. Damit beginnt ein Verfahren, das nicht nur über die persönliche Zukunft Landaluces entscheidet, sondern längst zu einer Zerreißprobe für die lokale Volkspartei (PP) geworden ist.
Die aussichtslose Lage des Beschuldigten ist offensichtlich. Bereits am Donnerstag, einen Tag vor seiner eigenen Vernehmung, hat die Richterin die Anzeigenerstatterin und zwei Gemeinderatsmitglieder als Zeugen gehört. Besonders brisant ist die Personalie dieser Zeugen: Einer von ihnen ist der ehemalige erste Stellvertreter des Bürgermeisters, der nach seinem Bruch mit Landaluce nun als Kandidat für ein Misstrauensvotum gegen ihn antritt. Die andere Zeugin gehört zu jenen Ratsfrauen, die dem Bürgermeister die Treue gehalten haben – und dafür nun ein Disziplinarverfahren der eigenen Partei kassiert.
Ein Ermittlungsverfahren mit politischer Sprengkraft
Zur Einordnung der Geschehnisse: Die Anzeige, die am 12. Oktober publik wurde, ist nicht die erste dieser Art. Bereits im September hatte eine Frau Vorwürfe erhoben. Die jetzige Anzeigenerstatterin, selbst PP-Mitglied, schilderte ihre Vorwürfe zunächst dem Provinzparteichef Bruno García. Dessen Reaktion folgte einem klaren Plan: Er forderte den Bürgermeister zum Rücktritt auf und stellte das gesamte Regierungsteam vor die Wahl, entweder den Rücktritt zu verlangen oder das Team zu verlassen.
Die Konsequenz war ein politisches Beben: Zwölf der 15 PP-Stadträte unterzeichneten ein Rücktrittsgesuch gegen Landaluce, drei stellten sich hinter ihn. Der Bürgermeister aber blieb stur – mit fatalen Folgen für seine eigene Machtbasis. Die zwölf Abtrünnigen verließen das Regierungsbündnis und schlossen sich mit der rechtspopulistischen Vox zu einer Misstrauensinitiative zusammen. Landaluce regiert nun mit einem schrumpfenden Kabinett aus nur noch vier Mitgliedern, darunter die drei loyalen Räte.
Rücktritt angekündigt, Unschuld beteuert
Als Reaktion auf die formelle Eröffnung des Ermittlungsverfahrens am 16. Oktober hat der Beschuldigte für den kommenden Sonntag seinen Rücktritt angekündigt. In einer vorgeschalteten Erklärung ließ er jedoch keinen Zweifel an seiner Haltung: „Angesichts einer großen Inszenierung mit ungerechten Angriffen werde ich mich vor der Justiz verteidigen, für meine Unschuld kämpfen – und ich hoffe, dass diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die diese Inszenierung inszeniert haben.“
Diese Worte offenbaren die Strategie des Angeklagten: Er stellt sich als Opfer einer Verschwörung dar. Eine Argumentation, die angesichts der schweren Vorwürfe zynisch wirkt – aber auch ein Indiz dafür ist, wie sehr sich die politischen Lager in dieser Frage radikalisiert haben. Die Ermittlungen werden zeigen müssen, ob es sich bei den Anschuldigungen um ein abgekartetes Spiel handelt oder um den Versuch, einen mächtigen Mann zur Rechenschaft zu ziehen. Die Aussage vor der Richterin am heutigen Freitag dürfte dabei erste wichtige Antworten liefern.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, bleibt die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Anschuldigungen vorerst offen – die politischen Fakten jedoch sind bereits geschaffen. Algeciras steht vor einem Scherbenhaufen, die PP vor einer Zerreißprobe, und der Bürgermeister vor dem Ende einer politischen Karriere, die sich innerhalb weniger Wochen in Luft aufgelöst hat.
Quelle: europapress.es