
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Elf Jahre nach Todesschlägen: Verdächtiger gefasst
Ein Verbrechen, das eine Familie bis heute prägt
Die Nacht auf den 6. November 2015 hat das Leben einer Familie in Marbella unwiderruflich verändert. Francisco Javier, damals 57 Jahre alt und in der Stadt unter dem Namen „Paco el del quiosco“ bekannt, wurde in den frühen Morgenstunden vor seinem Wohnhaus niedergeschlagen. Ein vorbeikommendes Paar entdeckte den schwer verletzten Mann gegen 00:20 Uhr in einer Blutlache im Hauseingang in der Calle Juan Alameda. Trotz intensiver Wiederbelebungsversuche durch Rettungskräfte, die rund 40 Minuten dauerten, starb Paco kurz nach 1 Uhr nachts. Die Obduktion ergab schwere Gesichtsfrakturen und massive Gewalteinwirkung.
Die Familie, die in jener Nacht zunächst von einem Unfall oder einer plötzlichen Einlieferung ins Krankenhaus ausging, suchte stundenlang in Kliniken nach ihm – bis die traurige Gewissheit eintraf. Seine Nichte Carmen Marín beschreibt den Verlust im Gespräch mit der Zeitung SUR als eine Wunde, die nie heilt. Sie erinnert sich an die Zuneigung ihres Onkels, seine Gesten und seine Herzlichkeit. Die Erinnerung an den gewaltsamen Tod lässt die Familie bis heute nicht los.
Ein Leben für den Kiosk
Paco, der aus Canillas de Aceituno stammte, hatte sich über drei Jahrzehnte in Marbella ein Leben aufgebaut. Sein Kiosk an der Ecke der Avenidas Nabeul und Ramón y Cajal war ein Treffpunkt im Viertel, nur wenige Schritte von seiner Wohnung entfernt. Als jüngstes von vier Geschwistern führte er ein bescheidenes Leben als Junggeselle. Sein Alltag bestand aus langen Arbeitszeiten, vom frühen Morgen bis spät in die Nacht. Die Arbeit war sein Leben und sein Lebensmittelpunkt.
Ermittlungen laufen ins Leere
Nach dem Überfall, bei dem die Ermittler von Raub als Tatmotiv ausgingen, blieb die Mordkommission in Marbella lange Zeit erfolglos. Die Tür zu seiner Wohnung im zweiten Stock stand offen, Spuren wurden gesichert und Zeugen vernommen – doch der Fall schien sich in einer Sackgasse zu verlieren. Fast ein Jahrzehnt lang führte die Polizei die Ermittlungen fort, überprüfte Beweise erneut und verfolgte neue Spuren, ohne einen Durchbruch zu erzielen.
Ein Fingerabdruck führt zur Festnahme
Der entscheidende Schritt gelang den Ermittlern schließlich mit einer Kombination aus altbewährter Spurensuche und neuen Zeugenaussagen. Ein am Tatort gesicherter Fingerabdruck wurde einem Mann zugeordnet, der 2015 als Kellner in Marbella arbeitete und mittlerweile in Jerez de la Frontera lebte. Darüber hinaus belasteten ihn Widersprüche in seinen Vernehmungen. Die Beamten der UDEV-Einheit in Marbella nahmen den Verdächtigen im Juni des vergangenen Jahres fest.
Nach seiner Verhaftung legte der Mann ein Teilgeständnis ab. Er gab zu, am Tatort gewesen zu sein und an dem Raubüberfall auf das Opfer beteiligt gewesen zu sein. Die Tötung selbst stritt er jedoch ab. Die Familie von Paco wartet nun auf den Prozessbeginn und hofft auf eine Verurteilung des Täters. Sie erhofft sich von dem Verfahren Gerechtigkeit und einen Abschluss, der ihnen bislang verwehrt blieb. Wie die Ermittlungen zu dem Ergebnis führten, wird das Gericht in den kommenden Monaten aufklären müssen. Die Anklage stützt sich auf die gesicherten Beweise und die Aussagen des Beschuldigten. Für die Angehörigen zählt am Ende nur ein Urteil, das die Tat anerkennt und den Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht. Die Hoffnung auf ein Ende des langen Leidenswegs bleibt bestehen. Wie die Zeitung SUR berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.
Quelle: diariosur.es