35 Jahre im Klassenzimmer: Don Paco geht

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Marbella

35 Jahre im Klassenzimmer: Don Paco geht

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Abschied nach drei Jahrzehnten

Es gibt Momente, die bleiben. Für Francisco Haro González war der letzte Schultag einer davon. Als der 60-Jährige das IES Guadalpín in Marbella nach 35 Jahren Dienstzeit verließ, säumten Schüler und Kollegen die Flure und Treppen des Gebäudes. Es gab Applaus, Tränen und Worte, die man nicht vergisst. Ein Video des Moments verbreitete sich schnell – und mit ihm eine Welle der Dankbarkeit ehemaliger Schüler.

„Der beste Lehrer der Welt“, „einer, den man nie vergisst“, „ein Genie“ – die Kommentare unter dem Beitrag lasen sich wie eine Liebeserklärung. Ein Nutzer schrieb: „Ein Lehrer mit einem Lächeln, das Güte ausstrahlte. Nähe, Herzlichkeit, Respekt. Don Paco Haro.“ Wer ihn nicht kennt, bekommt beim Lesen dieser Zeilen eine Vorstellung davon, was für ein Mensch hier verabschiedet wurde.

Vom jungen Referendar zum Urgestein

Geboren 1966 in Bujalance (Córdoba), betrat Haro das IES Guadalpín erstmals mit 25 Jahren – damals als frisch ernannter Lehrer für Geographie und Geschichte. Zuvor hatte er nur kurz an einem Institut in Bailén gearbeitet, dann kam der Wehrdienst. Die feste Stelle in Marbella sollte seine letzte sein.

Ein einziges Mal, vor etwa 15 Jahren, überlegte er, den Ort zu verlassen – aus familiären Gründen, zurück nach Córdoba. Doch es blieb beim Gedanken. Haro gibt offen zu, dass er an einer Schule mit „guten Schülern“ gelandet war, weit entfernt von den Herausforderungen anderer Einrichtungen, in denen Lehrer oft mehr Erzieher als Wissensvermittler sein müssen.

Zwischen Frust und Erfüllung

Auf die Frage, was nach so langer Zeit in einem überwältigt, antwortet Haro ehrlich: „Ich war überwältigt von so vielen Menschen, so vielen Schülern. Es war ein Gefühl von Dankbarkeit und Erfüllung, das all die Momente der Frustration aufwiegt, in denen man kein bisschen Anerkennung bekam.“ Und dann, beim Verlassen der Schule: „Eine Mischung aus Fremdheit, Erleichterung und einer gewissen Traurigkeit.“

In seinen 35 Jahren erlebte der Lehrer sechs verschiedene Bildungsgesetze – von der LOGSE bis heute. Mit den ständigen Reformen ist er, wie viele Kollegen, nie ganz warm geworden: „ Man verspricht kleinere Klassen, doch dann kommt die Realität. Vieles klingt gut, bis man das Kleingedruckte liest.“

Lehrer von Generationen

Auch die Schülerschaft hat sich gewandelt. Als Haro begann, gab es noch das selektive System aus BUP und COU. Heute sei vieles anders, sagt er, aber: „Im Großen und Ganzen hatte ich gute Schüler.“ Mehr als 2.000 dürften es gewesen sein, schätzt er grob.

Die Generationen überschnitten sich: Er unterrichtete den besten Freund seines Sohnes, später dessen Vater. Die Tochter seiner aktuellen Partnerin saß in seinem Unterricht. Und bei einer Elternversammlung, erinnert er sich, war fast die Hälfte der Mütter einst seine Schülerinnen gewesen.

Was bleibt, ist die Ruhe

Jetzt will Haro das nachholen, was im Schulalltag zu kurz kam: Lesen, vor allem Science-Fiction und Geschichte. Dazu Yoga, einige Reisen – und ehrenamtliche Arbeit bei Cáritas. „Aktivität für Kopf, Körper und Seele – das sind meine drei Säulen“, sagt er. Aber alles „ohne Eile, ohne Stress“.

Nach 35 Jahren hat sich Don Paco Haro diesen Ruhestand verdient. Die Erinnerung an ihn wird bleiben – in den Köpfen und Herzen seiner ehemaligen Schüler. Wie die diariosur.es berichtet, war die Verabschiedung eine der emotionalsten, die das Institut je gesehen hat. Wer in Marbella aufgewachsen ist, hat ihn vielleicht selbst erlebt – oder zumindest von ihm gehört. Diesem Lehrer folgt nun ein neuer Schüler: die Zeit, die er sich endlich selbst schenken kann.


Quelle: diariosur.es

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