Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Der Millionenkonflikt um die Villa Dragan
Eine Erbschaft und zwei Justizsysteme
Constantin Dragan, geboren 1917 in Rumänien, war eine der rätselhaften Figuren der europäischen Wirtschaftsnachkriegsgeschichte. Seine Vermögensbildung basierte auf dem Handel mit Flüssiggas. In den 1960er Jahren ließ er sich auf Mallorca nieder und nahm später sowohl die spanische als auch die griechische Staatsbürgerschaft an. Ein zentraler Bezugspunkt seines Lebens war die Villa Dragan am Paseo Marítimo in Palma, ein Palacete, den er trotz späterer Klagen über Straßenlärm niemals verkaufen wollte. Dragan verstarb 2008 in Palma, wie aus öffentlich zugänglichen Sterberegistern hervorgeht, und hinterließ ein Vermögen von mehr als einhundert Millionen Euro.
Ein internationales Gerichtspoker
Der Tod des Magnaten löste einen komplexen juristischen Dauerkonflikt aus. Die Erbengemeinschaft, darunter seine anerkannten Kinder und seine Witwe, aber auch ein unehelicher Sohn, den Dragan nie offiziell anerkannt hatte, zerstritten sich um das gewaltige Vermögen. Die zentrale juristische Hürde, die jahrelang im Raum stand, war die Frage des zuständigen Gerichtsstandes. Aufgrund der doppelten Staatsbürgerschaft Dragans beanspruchten sowohl Spanien als auch Griechenland die juristische Hoheit über den Nachlassprozess.
Ein Urteil schafft Fakten
Die zuständige Audiencia Provincial in Palma fällte schließlich im Jahr 2016 eine wegweisende Entscheidung. Das Gericht, so berichteten damalige Prozessteilnehmer und die Gerichtsakten, wies den Fall zur weiteren Bearbeitung an die griechische Justiz ab. Mit dieser Entscheidung erhielten die Witwe und die anerkannten Kinder von Constantin Dragan Recht. Die Begründung lag in der Auslegung internationaler Erbrechtsabkommen, die bei mehrfacher Staatsangehörigkeit des Erblassers klare Kriterien für die Zuständigkeit festlegen.
Das Erbe eines paneuropäischen Visionärs
Neben dem materiellen Erbe hinterließ Constantin Dragan auch ein ideelles: die von ihm gegründete Dragan-Stiftung. Diese Institution, die ihren Sitz unter anderem in Palma unterhielt, war und ist seinem erklärten Ziel gewidmet, die europäische Einigung voranzutreiben. Während die Stiftung ihre Arbeit fortsetzt, wurde der Streit um die Privatvermögen in einer anderen Arena ausgefochten. Der Fall Villa Dragan bleibt ein prototypisches Beispiel für die rechtlichen Komplikationen, die das Leben und Sterben international vernetzter Unternehmerpersönlichkeiten nach sich ziehen können.
Quelle: Berichterstattung auf Grundlage von Gerichtsdokumenten der Audiencia de Palma (2016) und öffentlich zugänglichen Biografien.