
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ingenieur warnt vor Einseitigkeit
Mateu Oliver, Dekan des Ingenieurkollegs der Balearen, sieht seine Heimatinsel an einem Wendepunkt. Im Gespräch mit dem „Diari de Mallorca“ vergleicht er die aktuelle Wirtschaftslage mit einem Rezept, das aus dem Gleichgewicht geraten ist: „Die Hotellerie ist das Mehl in der Bäckerei – unverzichtbar. Aber wenn man zu viel nimmt, gibt es keinen Kuchen.“ Diese starke Fokussierung auf den Tourismus sei riskant und führe zu einer gefährlichen Abhängigkeit.
Die Angst vor der Zukunft und der Aufbruch
Oliver beobachtet bei der Jugend, zu der auch seine 17-jährige Tochter gehört, eine verbreitete Verunsicherung. „Sie haben eine gewisse Angst, als müssten sie immer um Erlaubnis bitten“, so seine Erfahrung aus der Arbeit als Katechet. Doch er fordert das Gegenteil: Die Jungen sollten „über uns drübergehen“ und neue Wege wagen. Sein Rat: Mehr improvisieren, um neue Chancen zu öffnen. Als positives Beispiel nennt er das Baskenland, dem eine industrielle Umstrukturierung gelungen sei. Sein Optimismus speist sich aus dem technologischen Fortschritt. „Unsere Kinder haben die Wahrnehmung, dass es keine Zukunft gibt, dabei gibt es mehr denn je, weil Künstliche Intelligenz alles revolutionieren wird“, ist er überzeugt. Jede neue Technologie öffne ein Füllhorn an Möglichkeiten – eine Botschaft, die er der Jugend mit auf den Weg geben möchte.
Politik, Risiken und die "Minería" des Tourismus
Kritisch sieht Oliver die politische Landschaft auf Mallorca, die er von „Erben der Alten“ dominiert sieht. Die Gesellschaft lebe gut genug, um in einer Art Wohlstandssopor zu verharren und sich vor Veränderungen zu fürchten. Dabei brauche es mutige Führung, auch in anderen Bereichen. Auf den schweren Zugunfall von Adamuz angesprochen, sagt er: „Das ist eine Warnung, der Kanarienvogel in der Kohlenmine. Als Land können wir es uns nicht leisten, dass Schienen brechen.“ Sein zentraler wirtschaftlicher Kritikpunkt: Der Tourismus agiere oft nicht wie eine regenerative Industrie, sondern wie ein Bergbau („Minería“), der Ressourcen ausbeute, bis sie erschöpft seien. Vor zwanzig Jahren habe er noch ein Hotel einer Fabrik vorgezogen, heute sei er sich nicht mehr so sicher. Die notwendige Vielfalt, um die Wirtschaft zu balancieren, fehle. „Wir glauben, nur vom Tourismus leben zu können. Das ist ein Irrglaube.“
Personalie: Der Ingenieur als "ehrliches Stück"
Oliver, der neben seinem Amt als Dekan auch ein Unternehmen für Arbeitssicherheit (Cima20) führt, beschreibt seinen Führungsstil mit einem Prinzip: „Ehrlich sein. Das Gleiche sagen, denken und tun. Ein Stück aus einem Guss sein.“ Der größte betriebliche Risikofaktor sei heute, dass Mitarbeiter nicht arbeiten wollten. Hier liege die Chance in der Technologie, die eine goldene Gelegenheit biete, Prozesse und Arbeitsplätze attraktiver zu gestalten. Auf die Frage nach einer eigenen politischen Karriere antwortet er klar abschlägig. In der Politik werde zu oft in „die Deinen“ und „die Anderen“ unterschieden. Sein Beitrag solle der einer engagierten Zivilgesellschaft sein.
Quelle: diariodemallorca.es