Bahn-Beben: Puente trotzt Rücktrittsforderungen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Kastilien-La Mancha

Bahn-Beben: Puente trotzt Rücktrittsforderungen

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Minister im Sturm der Kritik

Es war die Woche der Wahrheit für Spaniens Schienenverkehr. Nach dem verheerenden Unfall von Urda, der das Land erschütterte, muss sich Verkehrsminister Óscar Puente nun dem politischen Gegenwind stellen. Die Zeichen stehen auf Sturm: Am kommenden Dienstag will die Regierung ein Maßnahmenpaket schnüren, das den Hinterbliebenen und Verletzten der Tragödie zumindest finanziell unter die Arme greifen soll. Doch es geht um weit mehr als nur um Entschädigungszahlungen.

Der Rettungsschirm für die Opfer

Das Kabinett von Ministerpräsident Pedro Sánchez wird voraussichtlich ein königliches Dekret verabschieden, das schnelle und unbürokratische Hilfe verspricht. Es ist der Versuch, inmitten des Entsetzens zumindest eine klare Botschaft zu senden: Die Opfer stehen nicht allein. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press aus Regierungskreisen erfuhr, wird Puente unmittelbar nach der Kabinettssitzung in einer Pressekonferenz in der Moncloa die Details dieser Unterstützung erläutern. Schon am Donnerstag hatte Sánchez in Toledo angekündigt, man werde die unmittelbare Not lindern und gleichzeitig die Ursachen restlos aufklären.

Das Prozedere ist kein Neuland für die Administration. Erst im Januar, nach dem Unglück von Adamuz in Córdoba, hatte der Staat ein ähnliches Hilfspaket auf den Weg gebracht. Die Botschaft des Ministers ist damals wie heute dieselbe: Wer in einer Katastrophe alles verliert, kann nicht auf langwierige Gerichtsverfahren warten. Die Opfer brauchen jetzt Geld, nicht in Monaten. Für die Hinterbliebenen der Getöteten waren damals über 210.000 Euro vorgesehen – aufgeteilt in einen verlorenen Zuschuss und Vorschüsse auf Versicherungsleistungen. Bei körperlichen Verletzungen staffelte sich die Summe je nach Schweregrad, steuerfrei und als Einmalzahlung.

Die zerrissene Glaubwürdigkeit

Doch so sehr sich die Regierung um Schadensbegrenzung bemüht, so sehr nagt der Doppelschlag aus zwei schweren Unfällen binnen weniger Wochen am Fundament des Vertrauens. Puente selbst räumte ein, dass es nun darum gehe, das Vertrauen der Bürger in das Bahnsystem wiederherzustellen. Ein Eingeständnis, das wie ein spätes Echo auf die Worte seines eigenen Chefs klingt: Sánchez hatte zugegeben, dass das Vertrauen der Spanier in die Eisenbahn "gebrochen" sei.

Ausgerechnet der Mann, der kürzlich noch betonte, wie sicher die Bahn sei, muss nun kleinlaut einen Plan zur Fehlerminimierung vorlegen. Die Opposition wird ihm am Dienstag im Ständigen Ausschuss des Kongresses die Leviten lesen – Stunden, nachdem Puente selbst die Medien informiert hat. Es ist ein Drahtseilakt zwischen Sachlichkeit und Symbolpolitik. Die Ankündigung, nicht zurückzutreten, wirkt dabei wie ein Fanal gegen die eigenen Reihen, die das Ausmaß der Katastrophe wohl kaum als bloßen Betriebsunfall abtun können.

Die entscheidende Frage wird sein, ob die angekündigten Maßnahmen mehr sind als ein Feigenblatt für ein System, das an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden sein Versprechen von Sicherheit und Präzision gebrochen hat. Puente bleibt nur wenig Zeit, um aus der Defensive zu kommen.


Quelle: 20minutos.es

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