American Football spricht jetzt Madrilenisch

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

American Football spricht jetzt Madrilenisch

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Vom Exot zum Selbstverständnis: Football in Madrid

Es ist noch gar nicht lange her, da galten Begriffe wie 'Quarterback' oder 'Touchdown' in Madrid als exotische Fremdwörter aus Übersee, kulturell ungefähr so anschlussfähig wie ein Lederhelm beim Schachspiel. Diese Zeiten sind vorbei. Wenn am 8. November die Atlanta Falcons auf die Cincinnati Bengals treffen, dann klingt das Vokabular der NFL längst nicht mehr nach Georgia oder Ohio, sondern fast so vertraut wie der Akzent aus Lavapiés oder Carabanchel. Die American Football-Welle hat die spanische Hauptstadt endgültig erreicht – und das ist gut so.

Der Beweis liegt im Stadion und im Portemonnaie

Man muss kein Football-Experte sein, um die Tragweite dieses Events zu erfassen. Die Zahlen sprechen eine deutlichere Sprache als jede TV-Übertragung: Der erste offizielle NFL-Auftritt in Spanien, im vergangenen November zwischen den Miami Dolphins und den Washington Commanders, lockte 78.610 Zuschauer ins Bernabéu. Das ist keine Randnotiz, sondern ein Volltreffer – wirtschaftlich wie gesellschaftlich. Wie die Stadtverwaltung und die Liga unisono betonen, spülte das Spektakel rund 70 Millionen Euro in die Kassen Madrids. Das ist kein Peanuts-Geld, das ist ein dickes Ausrufezeichen im globalen Wettbewerb der Sportmetropolen. Gegner dieser Entwicklung, die den American Football weiterhin als aufgeblähtes Werbespektakel abtun, verwechseln persönliche Geschmacksverirrung mit ökonomischer Realität.

Ein Bekenntnis mit Ansage

Der Madrider Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida hat es bereits auf den Punkt gebracht: Die NFL ist nicht zu Besuch, sie ist angekommen – und sie bleibt. Mit dem zweiten Spiel in Folge wird aus einem Experiment eine Institution. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Liga in der kommenden Saison mit Paris und Melbourne weitere prestigeträchtige Standorte eröffnet. Madrid hat den ersten Schritt gemacht und sichert sich nun den Bonus des Pioniers. Der Madrider Game ist eines von neun internationalen Duellen der Saison – doch keines davon findet in einer Stadt statt, die so schnell aus dem Stand zum Stammgast avanciert ist.

Sportlich relevanter denn je

Bevor jedoch jemand behauptet, hier gehe es nur um Kommerz und Halbzeitshow: Sportlich hat das Duell einiges zu bieten. Die Atlanta Falcons treten als lokal agierendes Team an, mit Bijan Robinson in ihren Reihen, einer der explosivsten Offensivwaffen der Liga. Auf der Gegenseite stehen die Cincinnati Bengals aus Ohio, angeführt von Quarterback Joe Burrow – einem Mann, der mit seinem Arm allein ganze Abendkassen füllen kann. Dass ausgerechnet Manuel Turizo beim Mediotiempo für die musikalische Unterhaltung sorgt, fügt dem Ganzen eine internationali Flanke hinzu, die zeigt: Dieses Event ist längst mehr als nur ein Spiel.

Die NFL hat Madrid erobert – nicht mit Getöse, sondern mit Ergebnissen. Wer das ignoriert, verpasst nicht nur den Kick-off, sondern den Anschluss an die Zukunft des Sportbusiness.

(Basierend auf einem Bericht von Europa Press)


Quelle: europapress.es

Mehr aus Madrid & Spanien