
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Bischofsschelte: Baliaren-Regierung kontert Kirchenkritik
Ein frommer Appell mit doppeltem Boden?
Der Streit um die Zukunft des Tourismus auf Mallorca erreicht die Kanzel. Nachdem der Bischof der Insel, Sebastià Taltavull, in einem Gastbeitrag die touristische Überlastung und die fortschreitende Zerstörung der Landschaft angeprangert hatte, schlägt die Politik nun scharf zurück. Tourismusminister Jaume Bauzá kontert mit einem Vorwurf, der es in sich hat: Er nennt den geistlichen Oberhirten schlicht einen Heuchler. In einem Beitrag auf der Plattform X wirft er Taltavull vor, mit zweierlei Maß zu messen — und verweist auf die wirtschaftlichen Verflechtungen der Kirche mit eben jener Branche, die der Bischof so lautstark kritisiert.
Der Minister stellt unbequeme Fragen
Bauzá lässt keinen Zweifel daran, dass er den moralischen Zeigefinger aus dem Bischofspalast für unangebracht hält. Seine Argumentation ist bewusst provokant. So erinnert er daran, dass das Santuari de Lluc, eine der wichtigsten Pilgerstätten der Insel, früher selbst mit dem Slogan „Ciclista, Lluc ist dein Zuhause“ um die Pedalritter warb. Nun aber — so der Minister — störten sich die Kirchenvertreter offenbar an den Radsportlern, die die berühmte Passstraße hinauffahren. Ähnlich verhalte es sich mit den Kreuzfahrttouristen: Deren Landgang sei der Kirche offenbar ein Dorn im Auge, obwohl doch ein erheblicher Teil dieser Besucher genau jene Kathedrale La Seu bevölkere, deren Erhalt der Bischof so am Herzen liegt.
Ein Fall von wirtschaftlicher Schizophrenie?
Der Kern des Vorwurfs von Bauzá ist jedoch ein anderer. Er verweist auf ein laufendes Verfahren gegen das Santuari de Lluc. Konkret geht es um 268 Betten, die dort offenbar kommerziell vermarktet werden und Gegenstand eines Verfahrens wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten sind. Für den Minister ist die Sache klar: Die Kirche predige gegen die Gier des Tourismussektors, bediene sich aber selbst munter an den Einnahmen derselben Branche. Mit beißender Ironie fügt er hinzu, dass die Gier wohl leichter zu erkennen sei, wenn man sie vom Glockenturm eines anderen betrachte. Damit stellt er die moralische Autorität des Bischofs grundsätzlich infrage.
Kein Maulkorb, aber eine klare Ansage
Interessant ist, dass Bauzá dem Bischof keineswegs das Recht abspricht, seine Meinung zu äußern. Er fordert lediglich eine konsequentere Haltung. Wer die Sünden des Massentourismus geißele, müsse eben auch bereit sein, den eigenen Beitrag zu dieser Entwicklung kritisch zu hinterfragen. Die Botschaft des Ministers ist unmissverständlich: Wer von der Branche profitiert — und sei es über Umwege wie Pilgerherbergen oder Kirchenbesuche von Kreuzfahrtpassagieren —, sollte sich mit pauschalen Verurteilungen zurückhalten. Es ist ein Schlagabtausch, der die tiefen Gräben in der Debatte um die Zukunft des Tourismus auf den Balearen offenlegt. Die einen sehen die Insel als Wirtschaftsmotor, die anderen als schützenswertes Gut — und die Kirche scheint in diesem Konflikt nun zwischen alle Stühle geraten zu sein. Wie das Nachrichtenportal Europa Press berichtet, eskalierte der Streit über den Kurznachrichtendienst X, wo Bauzá seine Vorwürfe öffentlichkeitswirksam platzierte.
Quelle: europapress.es