Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Vorwürfe gegen Rajoy in der Kitchen-Affäre
Tonaufnahmen belasten frühere PP-Führung
In der laufenden Verhandlung zur sogenannten ‘Operation Kitchen’ vor der Audiencia Nacional haben neue Aussagen für politischen Zündstoff gesorgt. Wie Europa Press berichtet, hat Digitalminister Óscar López gegenüber dem spanischen Fernsehsender La 1 schwere Vorwürfe gegen die frühere Volkspartei (PP) erhoben. Demnach sei die mutmaßlich parapolizeiliche Aktion, mit der Informationen vom Ex-PP-Schatzmeister Luis Bárcenas beschafft werden sollte, eine von der PP-Führung “montierte und angeordnete” Operation gewesen.
Rajoy wies Vorwürfe vor Gericht zurück
Die Vorwürfe richten sich direkt an den ehemaligen Regierungschef Mariano Rajoy. Dieser hatte zuvor als Zeuge vor Gericht jede Kenntnis einer politischen Operation bestritten, die darauf abgezielt habe, sensibles Material von Bárcenas zu stehlen oder Dokumente zu vernichten. “Das ist absolut falsch”, lautete sein kategorisches Dementi. Die ‘Operation Kitchen’ soll während der Ermittlungen im Korruptionsskandal ‘Gürtel’ vom damaligen Innenministerium initiiert worden sein, um den unter Druck geratenen Bárcenas auszuspionieren.
López beruft sich auf “mehr als eindeutige” Beweise
Minister López widerspricht dieser Darstellung fundamental. Er verweist auf “mehr als eindeutige” Beweismittel, darunter Tonaufnahmen und Zeugenaussagen von Polizeibeamten. “Es wurden Aussagen von Polizeikadern gehört, die berichten, dass Rajoy diese Operation nicht nur kannte, sondern sogar Anweisungen dafür gab”, so López in der Fernsehsendung ‘Mañaneros’. Dies untermauere die These, dass die PP-Staatsgewalt für die eigenen, “abscheulichsten Zwecke” missbraucht habe. Konkret nennt er Aufnahmen, in denen sich die ehemalige PP-Generalsekretärin María Dolores de Cospedal und Ex-Innenminister Jorge Fernández Díaz über die Einrichtung der pseudopolizeilichen Struktur austauschten.
Hintergrund: Die anhaltende Verbindung zu Bárcenas
Der sozialistische Minister kritisierte zudem, dass Rajoy die enge und “über die Zeit aufrechterhaltene” Verbindung zu Bárcenas vergessen zu haben scheine, die noch anhielt, nachdem der Gürtel-Skandal aufgeflogen war. López erinnerte auch an das von Cospedal verteidigte Konzept einer “verspäteten Entlassung” für Bárcenas. Für López steht fest: “Das ist die traurige Wahrheit darüber, was unter der PP-Regierung geschah – die offiziellen Mittel wurden genutzt, um eine Parapolizei aufzubauen, politische Gegner zu untersuchen und gefälschte Beweise zu erstellen.” Die Aussagen werfen ein neues Licht auf einen der größten politischen Skandale der jüngeren spanischen Geschichte.