
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Suche nach Vermissten geht weiter
Neue Hoffnung im Angesicht der Tragödie
Drei weitere Personen, die nach dem schweren Zugunglück am Mittwoch bei Urda in der Provinz Toledo als vermisst galten, konnten am Freitag lebend aufgefunden werden. Wie die Behörden mitteilten, befinden sich zwei der Überlebenden in Krankenhäusern, eine dritte Person hatte den Zug am Unglückstag nachweislich nicht bestiegen. Damit erhöht sich die Zahl der lebend aufgefundenen Personen, die zuvor auf der Vermisstenliste standen, auf insgesamt fünf.
Unveränderte Opferzahl, komplexe Identifizierung
Die offizielle Zahl der Todesopfer bleibt unverändert bei 69. Die zuständigen Institute für Rechtsmedizin in Toledo und Ciudad Real haben sämtliche Autopsien der geborgenen Leichen abgeschlossen. Allerdings warnte der Regionalpräsident von Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, vor einem voreiligen Ende der Bilanz. Die Identifizierungsarbeiten gestalteten sich äußerst schwierig, da bei den Bergungsarbeiten neben vollständigen Körpern auch zahlreiche Körperteile geborgen wurden. Diese müssten zweifelsfrei zugeordnet werden, bevor eine endgültige Aussage über die Gesamtzahl der Todesopfer möglich sei.
Die Datenlage der Vermisstenliste ist unterdessen weiterhin dynamisch. Die Guardia Civil führt derzeit noch 67 aktive Vermisstenanzeigen. Darunter befinden sich 14 Anzeigen ausländischer Staatsbürger aus insgesamt zehn verschiedenen Nationen, darunter Argentinien, Australien, Frankreich, Japan, Kanada, Mexiko, die Tschechische Republik, Tunesien, die USA und Venezuela.
Politischer Druck und Sicherheitsdebatte
Das Unglück hat eine intensive politische Debatte ausgelöst. Verkehrsminister Óscar Puente wies Forderungen nach einem Rücktritt entschieden zurück. Er sehe seine Aufgabe darin, Verantwortung zu übernehmen und sich den Fragen zu stellen. Gleichzeitig warnte er davor, vorschnell Schuldige zu suchen, bevor die laufende Untersuchung abgeschlossen sei. Er stellte klar, dass er keine Mitarbeiter als Schutzschilder missbrauchen werde. Puente betonte, er habe Ministerpräsident Pedro Sánchez unmittelbar nach dem Unglück seinen Rücktritt angeboten, dieser habe dies jedoch mit Verweis auf die Ungerechtigkeit eines solchen Schrittes abgelehnt.
Im Zentrum der Ermittlungen steht auch die Sicherheitstechnik der betroffenen Strecke. Puente räumte ein, dass es im Jahr 2026 zu 170 Störungen des Sicherheitssystems LZB gekommen sei, relativierte diese Zahl jedoch als im europäischen Vergleich normal. Er wies zudem Vorwürfe zurück, die Regierung habe die Europäische Union bezüglich der Umstellung des Signalsystems auf das neuere ERTMS getäuscht. Die ursprünglich für April 2026 geplante Umrüstung der Strecke Madrid–Sevilla habe sich verzögert und werde nun für April 2027 erwartet. Die EU sei stets über den Projektstatus informiert worden.
Ministerpräsident Sánchez sicherte nach einer Sitzung des Krisenstabs in Toledo eine lückenlose Aufklärung und eine Stärkung der Sicherheitsstandards im spanischen Schienenverkehr zu. Die Ereignisse hätten das Vertrauen in das Hochgeschwindigkeitsnetz des Landes erschüttert, so Sánchez. Die Regierung sehe es als ihre Aufgabe, nicht nur die Ursachen zu analysieren, sondern konkrete Lösungen zu erarbeiten, um eine Wiederholung einer solchen Katastrophe zu verhindern.
Quelle: 20minutos.es