
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Madrid fordert Rücktritt nach Zugkatastrophe
Nach dem Unglück von Urda: Regionalregierung fordert Konsequenzen
Knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Zugunglück von Urda in der Provinz Toledo verschärft sich der politische Ton in Madrid. Die Regionalregierung unter Isabel Díaz Ayuso hat am Freitag den Rücktritt von Ministerpräsident Pedro Sánchez und Verkehrsminister Óscar Puente gefordert. Bei dem Unglück waren zunächst 69 Menschen ums Leben gekommen, inzwischen ist die Zahl der Todesopfer auf über 100 gestiegen, wie das Rettungsdienstkoordinierungszentrum mitteilte.
„Keine Entschuldigungen mehr“
Regierungssprecher Miguel Ángel García Martín ließ in der Pressekonferenz nach der wöchentlichen Kabinettssitzung keine Zweifel an der Härte seiner Botschaft: „Die Entschuldigungen sind aufgebraucht. Beide müssen die Politik für immer verlassen. Das sind sie den Toten und ihren Familien schuldig.“ Der Sprecher spielte damit auf die beiden schwersten Bahnunglücke in Spanien innerhalb weniger Jahre an – neben Urda auch die Katastrophe von Adamuz in Andalusien im vergangenen Jahr.
García Martín warf Puente vor, nie für das Verkehrsressort geeignet gewesen zu sein. Der Minister habe sich eher mit sozialen Medien und Angriffen auf politische Gegner beschäftigt als mit der Sicherheit des Schienennetzes. Doch der Sprecher machte auch Sánchez persönlich verantwortlich: Er habe Puente ernannt und zuvor mit José Luis Ábalos einen Mann ins Ministerium geholt, der im sogenannten Masken-Skandal zu 24 Jahren Haft verurteilt worden war – wegen krimineller Vereinigungen, Bestechung, Unterschlagung und Einflusshandels.
Systemische Kritik statt Einzelfall
Die Regionalregierung sieht in dem Unglück keinen Einzelfall, sondern das Ergebnis jahrelanger Vernachlässigung. „Urda ist die Konsequenz aus vielen Jahren ohne Investitionen, ohne Budgets, ohne Management“, so García Martín. Hätte man aus Adamuz die richtigen Lehren gezogen, wäre die Katastrophe vermeidbar gewesen. Der Sprecher beklagte zudem einen Vertrauensverlust der Bevölkerung in das eigene Bahnsystem. Wie die Regionalregierung mitteilte, verabschiedete das Kabinett eine institutionelle Erklärung zur vollständigen Aufklärung des Unglücks.
Unter den Todesopfern befindet sich auch die frühere Arbeitsministerin Fátima Báñez. Sie reiste in dem Hochgeschwindigkeitszug Iryo, der mit einem AVE kollidiert war. Die konservative Politikerin wurde in den Reihen der Regionalregierung besonders gewürdigt.
Die Forderungen aus Madrid kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die nationale Eisenbahnaufsicht erste Untersuchungsergebnisse ankündigte. Ob die politischen Konsequenzen über die bisherigen Rücktrittsforderungen hinausgehen, bleibt abzuwarten. Die Opposition kündigte indes an, im Parlament eine Sondersitzung zur Aufarbeitung des Unglücks zu beantragen.
Bei dem Artikel handelt es sich um eine eigenständige redaktionelle Aufarbeitung auf Grundlage von Informationen der Nachrichtenagentur Europa Press.
Quelle: europapress.es