Spaniens Städte: Teuer, voll, aussichtslos

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Málaga

Spaniens Städte: Teuer, voll, aussichtslos

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Spaniens große Städte sind keine Wohnorte mehr, sondern Luxusgüter

Die Rechnung ist brutal einfach: Wer in Spaniens Metropolen eine Wohnung sucht, braucht nicht nur Glück, sondern vor allem eines – ein deutlich überdurchschnittliches Einkommen. Während Politiker seit Jahren von bezahlbarem Wohnraum schwadronieren, legt die OECD nun einen Bericht vor, der die Realität schonungslos offenlegt. Die großen Städte des Landes sind keine Wohnorte mehr, sondern Spekulationsobjekte. Und die Zahlen sind vernichtend.

Wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in ihrem Report "Regions and Cities at a Glance" berichtet, sind die Preise in den großen urbanen Zentren Spaniens im Schnitt 25 Prozent höher als im Rest des Landes. Damit bestätigt sich, was Bewohner von Madrid, Málaga oder Barcelona längst am eigenen Leib spüren: Die Schere zwischen Metropole und Provinz wird immer größer. Während in den Städten der Preisdruck explodiert, bleiben ländliche Regionen mit 38 Prozent günstigeren Preisen regelrecht verödet zurück.

Der Leerstand als verräterisches Indiz

Besonders brisant ist jedoch ein anderer Befund: Ausgerechnet dort, wo Wohnungen am dringendsten gebraucht werden, gibt es die wenigsten freien Immobilien. Die OECD konstatiert eine eklatante Schieflage – und Spanien sticht dabei negativ hervor. In den urbanen Zentren liegt der Anteil leerstehender Wohnungen satte acht Prozentpunkte unter dem Landesdurchschnitt. Nur in Österreich, Griechenland und Portugal ist das Missverhältnis noch gravierender.

Dieser Befund widerlegt eindrucksvoll das beliebte Narrativ, in Spanien stünden doch genug Häuser leer, man müsse sie nur "aktivieren". Die Wahrheit ist unbequemer: Der Leerstand konzentriert sich in strukturschwachen Regionen, in denen niemand wohnen will, während in den prosperierenden Städten jeder Quadratmeter umkämpft ist. Wer also glaubt, das Problem sei nur eine Frage falscher Verteilung, verkennt die fundamentalen Kräfte des Marktes.

Málaga als Sinnbild der Spaltung

Wie tief die Gräben innerhalb des Landes sind, zeigt ein Blick auf die konkreten Zahlen. In ganz Deutschland beträgt die Differenz beim Kaufkraftaufwand zwischen der günstigsten und der teuersten Stadtregion bis zu 17 Jahresgehälter. Auch Spanien gehört zu den Ländern mit den größten Diskrepanzen. Zwischen der günstigsten urbanen Zone – Castellón de la Plana – und der teuersten – Málaga – klafft eine Lücke von 9,4 Jahresgehältern. Das ist kein Gefälle mehr, das ist eine soziale Spaltung.

Málaga, einst beschauliche Hafenstadt, ist heute das Epizentrum der Wohnungskrise an der Costa del Sol. Die Nachfrage internationaler Investoren hat die Preise dermaßen in die Höhe getrieben, dass sich die lokale Bevölkerung zunehmend ins Umland abdrängen lässt. Ironischerweise sind es gerade die Städte mit dem größten Preiswachstum, in denen die Dynamik am stärksten aus dem Ruder läuft – Madrid eingeschlossen, wie die OECD explizit anmerkt.

Angebot kann mit Wachstum nicht Schritt halten

Die Kernproblematik ist simpel: In den Millionenstädten Spaniens wächst die Bevölkerung, aber nicht der Wohnraum. Seit 2011 kommt auf jede neu gebaute Wohnung in Städten über 1,5 Millionen Einwohner etwa ein zusätzlicher Mensch. In kleineren Städten zwischen 100.000 und 250.000 Einwohnern liegt das Verhältnis bei gerade einmal 0,1. Anders formuliert: Der Wohnungsbau hält mit der Realität nicht Schritt – und daran ist kein fehlendes Bauland schuld, sondern mangelnder politischer Wille.

Während die OECD den gesamten Mitgliedstaaten attestiert, dass Großstädte im Schnitt 1,8 Einwohner pro neuer Wohnung verkraften müssen, zeigt Spanien ein ähnlich düsteres Bild. Das Ergebnis ist eine absurde Marktsituation: Die Wohnungen stehen dort leer, wo niemand sie will, und fehlen dort, wo alle sie brauchen. Wer dieses systemische Versagen weiterhin mit Einzelfallhilfen bekämpfen will, wird den Wohnungsmarkt nicht retten – sondern nur die nächste Preisblase befeuern. Es braucht eine radikale Kehrtwende, sonst werden Spaniens Städte endgültig zu Spielplätzen der Reichen.

Quelle: OECD-Bericht "Regions and Cities at a Glance", präsentiert am Mittwoch


Quelle: 20minutos.es

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