
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Patienten in Gefahr? Ermittlungen nach abgelaufenen Reagenzien
Aktenzeichen statt Aktenvernichtung
Was wie ein schlechter Scherz aus einem Schmierfilm klingt, ist der ernste Verdacht, der nun die Justiz auf den Plan ruft: Im Labor des Hospital de la Axarquía sollen über Jahre hinweg abgelaufene Reagenzien verwendet worden sein. Die Staatsanwaltschaft Málaga hat Ermittlungen aufgenommen. Ich frage mich nur: Warum erst jetzt?
Der Fall ist brisant. Der Gewerkschaftsbund CSIF hatte Alarm geschlagen und handfeste Beweise vorgelegt: Fotos von Verfallsdaten, die längst Geschichte sind, Chatprotokolle, in denen die Praxis offenbar besprochen wurde, und belastende Aussagen von ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern. Die Anschuldigung lautet, dass seit 2020 routinemäßig mit Chemikalien gearbeitet wurde, deren Haltbarkeit oder Stabilität abgelaufen war. Um die Analysesoftware nicht aufzuhetzen, sollen Etiketten manipuliert und Prozeduren umgangen worden sein.
Die interne Untersuchung des Krankenhauses im März? Fehlanzeige. Man wischte den Vorfall vom Tisch, sprach von „keinen Unregelmäßigkeiten“. Ein klassischer Fall von Aktenvernichtung im übertragenen Sinne – bis die Sache jetzt auf dem Schreibtisch der Staatsanwaltschaft landete. Wie die Lokalzeitung Diario SUR und das Portal Axarquía Plus berichten, fordert die Behörde nun sämtliche Unterlagen an, um zu prüfen, ob ein strafrechtlich relevanter Verstoß gegen die öffentliche Gesundheit vorliegt.
Die Spur führt ins Herz der Diagnostik
Es geht hier nicht um Bürokratiekosmetik. Wenn Reagenzien ihre Wirksamkeit verlieren, werden Laborergebnisse unzuverlässig. Ein falscher Kaliumwert, ein übersehener Entzündungsmarker – die Folgen für Patienten können von einer falschen Therapie bis zur unterlassenen Behandlung reichen. Die Verantwortlichen im Krankenhaus scheinen diese Tragweite ignoriert oder schlimmer noch: bewusst in Kauf genommen zu haben.
Die Junta de Andalucía, die politisch für das Krankenhaus zuständig ist, hält sich bedeckt. Man habe die angeforderten Unterlagen übermittelt, zu weiteren Aussagen wolle man sich während des laufenden Verfahrens nicht äußern. Eine kluge Entscheidung – denn hier geht es nicht um Sonntagsreden, sondern um handfeste Verantwortung. Das Schweigen der Verantwortlichen spricht Bände.
Quelle: axarquiaplus.es