
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ceuta: Regierung sucht den Überblick
Widersprüchliche Angaben bestimmen die Debatte
Drei Wochen nach dem Massenzustrom an der Grenze zu Marokko kommen die zuständigen Stellen weiterhin nicht zu einer gemeinsamen Einschätzung der Lage. Dies zeigt die erstaunliche Diskrepanz bei der Erfassung der Geschehnisse vom 30. Juli.
Innenminister Fernando Grande-Marlaska bezifferte die Zahl der Eingereisten zunächst auf rund 72.000. Nur eine Woche später korrigierte Territorialminister Ángel Víctor Torres diese Schätzung auf 80.000. Auch bei den unbegleiteten Minderjährigen ist die Datenlage uneinheitlich: Justizminister Félix Bolaños sprach am 11. August von 1.527 Betroffenen. Grande-Marlaska kam nur zwei Tage später auf eine Zahl von 1.898.
Rückkehrer und Verbliebene: Bereinigung der Aktenlage
Die Regierung geht davon aus, dass rund 70.000 Menschen innerhalb von 48 Stunden wieder nach Marokko zurückgekehrt seien. Dieser massenhafte Übertritt sei freiwillig erfolgt. Demgegenüber schätzen lokale Behörden die Zahl der verbliebenen Migranten auf etwa das Doppelte der offiziellen Prognosen. Die regionale Vertretung in Ceuta geht von 8.000 bis 10.000 Personen aus, während das Innenministerium von lediglich 5.000 ausgeht.
Juan Jesús Vivas, der oberste Vertreter der Stadtverwaltung, warf der Zentralregierung vor, die tatsächlichen Zustände zu verschleiern. Seine Drohung: Sollte sich die Situation nicht innerhalb eines Monats verbessern, werde er die Justiz einschalten. Die Ankündigung der Regierung, 1.500 Plätze in vier städtischen Einrichtungen zu schaffen, scheint das Problem indes nur teilweise zu lösen.
Erste zaghtere Töne in der Gesundheitslage
Erst am Sonntag besuchte Gesundheitsministerin Mónica García die Region. Sie sprach von "drei Stressherden" in Kliniken und Krankenhäusern und verwies auf rund 5.800 medizinische Behandlungen, die in den vergangenen zwei Wochen an Migranten durchgeführt wurden. Sie räumte ein, dass in den provisorischen Unterkünften ein "mäßiges Risiko" für den Ausbruch von Seuchen herrscht – etwa dort, wo die Quarantäneverordnungen nicht eingehalten werden können.
Kritik an Garcias Einschätzung kommt von den lokalen medizinischen Einrichtungen. Deren Präsident Enrique Roviralta warnt vor einer "realen Seuchengefahr" und sprach von einer "tickenden Zeitbombe". Bereitschaftskontingente seien zur Neige gegangen.
Die Polizeigewerkschaft berichtete zudem von insgesamt 15 Fällen sexueller Übergriffe. Diese Zahl steht im Widerspruch zu den fünf Fällen, die das Gesundheitsministerium anführt. Bei der Aufklärung der Differenz könnte eine integrierte Datenbank helfen.
Unklar bleibt, wie Rückführungen zukünftig durchgesetzt werden sollen. Laut Vivas wären bei entsprechenden Ressourcen 15.000 Rückführungsfälle pro Monat möglich – wenn die Regierung die dafür notwendigen Verfahren anstoße. Immerhin besteht noch Hoffnung, die Regionen endlich zu beruhigen. Bis dahin bleibt Ceuta vor allem Schauplatz einer politischen Verwirrung.
Quelle: 20minutos.es