Ceuta: Minderjährige Migrantinnen in prekärer Lage

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

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Ceuta: Minderjährige Migrantinnen in prekärer Lage

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Drei Wochen nach dem sprunghaften Anstieg der Migration nach Ceuta zeichnet sich für die jüngsten Betroffenen ein düsteres Bild ab. Während die öffentliche Aufmerksamkeit vor allem den Jungen gilt, geraten Mädchen und Jugendliche in den Hintergrund – obwohl ihre Lage besonders verletzlich ist.

Mädchen als stille Opfer der Krise

Hilfsorganisationen wie Save the Children, UNICEF und Cáritas berichten von einer kritischen Situation in den provisorischen Aufnahmeeinrichtungen. Nach Angaben von Save the Children befinden sich weiterhin Hunderte Minderjährige in Ceuta, darunter viele Mädchen, die keinen Zugang zu grundlegender Hygiene haben. „Sie verfügen über keine Toilettenartikel, keine saubere Unterwäsche, keine Rückzugsmöglichkeiten“, beschreibt eine Sprecherin gegenüber der spanischen Presse. Die fehlende Intimsphäre erhöhe das Risiko von Erkrankungen und psychischen Belastungen erheblich.

Auch die Unterbringung selbst gibt Anlass zur Sorge: In einer eigens eingerichteten Halle harren Mädchen auf Matratzen aus, ohne ausreichenden Schutz vor Hitze oder Übergriffen. In manchen Fällen, so berichten Helfer vor Ort, seien Mädchen in informellen Zeltlagern auf Sportplätzen untergebracht – unter Bedingungen, die als unzumutbar gelten.

Gefahr von Ausbeutung und Missbrauch

Die Organisationen warnen vor einem erhöhten Risiko sexueller Gewalt und Menschenhandel. Eine Mitarbeiterin von UNICEF berichtet, dass bereits Fälle von Mädchen bekannt wurden, die in den Unterkünften Opfer von Belästigung oder Zwangsprostitution geworden seien. „Wenn Schutzmechanismen nicht greifen, sind diese Mädchen vollständig sich selbst überlassen“, so die Expertin. Auch Cáritas verweist auf die Gefahr, dass junge Frauen in Abhängigkeitsverhältnisse geraten, etwa durch Schlepper oder ältere Migranten.

Die Behörden planen nun, etwa 500 Mädchen auf das spanische Festland zu verlegen. Ein entsprechendes Dekret soll die Verteilung auf die Autonomen Gemeinschaften sicherstellen. Doch die Umsetzung lässt auf sich warten – aus bürokratischen Gründen, wie es heißt.

Rechtslage und offene Fragen

Bei der Bewertung der Situation spielt auch die juristische Ebene eine Rolle. Ein Abkommen zwischen Spanien und Marokko aus dem Jahr 2007 regelt die Rückführung von unbegleiteten Minderjährigen. Allerdings hat der Oberste Gerichtshof in einem Urteil von 2024 klargestellt, dass eine pauschale Zurückschiebung nicht zulässig ist – vielmehr müsse jeder Einzelfall genau geprüft werden. Das gelte insbesondere für Kinder, die Schutz suchen.

Wie die Zeitung 20minutos berichtet, haben mehrere NGOs darauf hingewiesen, dass die Mädchen oft nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen fliehen, sondern vor Gewalt in der Familie, Zwangsverheiratung oder weiblicher Genitalverstümmelung. Diese Motive müssten bei der Entscheidung über ihren Aufenthalt zwingend berücksichtigt werden.

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Für die betroffenen Mädchen zählt jeder Tag. Die Organisationen fordern, die geplanten Verlegungen endlich umzusetzen und langfristige Perspektiven zu schaffen. Besonders kritisch sei die Situation bei Schwangeren, die keinerlei medizinische Betreuung erhielten. Ohne schnelles Handeln, so der Tenor, drohe eine weitere Eskalation der humanitären Krise.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die spanische Regierung ihre Ankündigungen in die Tat umsetzen kann – oder ob die jüngsten Migrantinnen erneut Opfer einer Politik werden, die zu langsam und zu zögerlich reagiert.


Quelle: 20minutos.es

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