Beschäftigungsrekord mit Schattenseiten

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Beschäftigungsrekord mit Schattenseiten

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Rekord, der Fragen aufwirft

Die spanische Arbeitsmarktstatistik jagt derzeit Schlagzeilen: Mit 22,4 Millionen Beitragszahlern hat das Land einen nie dagewesenen Beschäftigungsstand erreicht. Im September kamen rund 92.300 neue Sozialversicherungsmitglieder hinzu – ein Plus, das in der Geschichte des Landes für diesen Monat einmalig ist. Doch wer jetzt von einem dramatischen Aufschwung der Wirtschaft spricht, verkennt die fundamentale Verschiebung, die sich dahinter verbirgt. Es ist nicht der private Sektor, der hier plötzlich boomt – es ist ein staatlicher Verwaltungsakt, der die Statistik aufbläht.

Die treibende Kraft: Regularisierung, nicht Konjunktur

Der Großteil des Zuwachses stammt aus dem Sonderprozess zur Regularisierung von Migranten, der im April angestoßen wurde. 84.220 der neuen Beitragszahler sind Ausländer – mehr als das Vierfache des Vorjahreswertes. Insgesamt haben seit Beginn des Verfahrens bereits 421.306 Menschen über diesen Weg eine Anmeldung bei der Sozialversicherung erreicht. Die Botschaft der Regierung, dies sei ein Beweis für gelungene Integration und wirtschaftliche Dynamik, greift jedoch zu kurz. Vielmehr werden hier Arbeitsverhältnisse ans Tageslicht geholt, die zuvor im Schatten der Schattenwirtschaft existierten. Viele dieser Jobs gab es längst – nur eben ohne Steuer- und Sozialabgaben.

Die Kehrseite dieser neu geschaffenen Formalität ist ebenso offensichtlich wie unbequem: Die registrierte Arbeitslosigkeit stieg im September um 23.587 Personen – der stärkste Anstieg in einem September seit fast zehn Jahren. Besonders pikant: Der Großteil der neu Gemeldeten sind Migranten, die sich als Arbeitssuchende ohne vorheriges Beschäftigungsverhältnis erfassen ließen. Ein Schritt, den Unternehmen in Spanien oft als Voraussetzung für eine Anstellung verlangen. Die Zahl von 2,38 Millionen Arbeitslosen ist zwar historisch niedrig, doch die Dynamik zeigt: Die Statistik wird zunehmend zu einem Instrument politischer Selbstvergewisserung, während die Realität komplexer ist.

Bildung als Stabilitätsanker

Einzig der Bildungssektor liefert ein ungetrübtes Signal: 63.500 neue Stellen entfielen auf diesen Bereich, angetrieben durch den traditionellen Effekt des Schuljahresbeginns. Festangestellte mit Saisonverträgen kehrten in den Dienst zurück und kompensierten so den saisonalen Einbruch im Tourismus, der 21.885 Arbeitsplätze in der Hotellerie und 40.000 im Einzelhandel kostete. Doch dieser "September-Effekt" ist ein jährliches Ritual und kein Beleg für strukturelle Stärke.

Ein Danaergeschenk mit Verfallsdatum

Die kommenden Monate werden zeigen, wie viel von diesem Rekord Bestand hat. Die Regularisierungswelle ist noch nicht abgeschlossen – von rund 1,2 Millionen eingereichten Anträgen müssen viele noch bearbeitet werden. Sobald diese Welle abebbt, wird die entscheidende Frage sein: Wie robust ist der Arbeitsmarkt tatsächlich, wenn staatliche Sonderprogramme auslaufen? Die Regierung feiert einen statistischen Etappensieg, doch die nachhaltige Integration dieser Menschen in den regulären Arbeitsmarkt steht noch aus. Ein Rekord, der auf Verwaltungsakten basiert, ist eben kein Konjunkturwunder – auch wenn er sich besser liest.

Wie das Nachrichtenportal 20 Minutos unter Berufung auf Daten des Arbeitsministeriums und der Sozialversicherung berichtet, dürfte die Affiliationsstatistik auch in den nächsten Monaten von der Regularisierung geprägt bleiben.


Quelle: 20minutos.es

Mehr aus Spanien