
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Murcia wird zur Blumenhauptstadt Europas
Murcia setzt auf die Kraft der Blumen
Während andere Regionen um Industrieansiedlungen oder Technologieparks buhlen, schlägt Murcia einen anderen Weg ein: die Blume als Wirtschaftsfaktor und Aushängeschild. Vom 6. bis 10. April 2027 verwandelt sich die Stadt in die Bühne des kontinentalen Kunsthandwerks. Die Internationale Organisation der Floristen (Florint) hat der Region den Zuschlag für gleich zwei Großereignisse gegeben: die 20. Copa de Europa und den 11. Eurofleurs-Wettbewerb. Wer jetzt glaubt, es handle sich um ein Nischenevent für Gärtner, unterschätzt die Dimension: Rund 19 Teilnehmer treten bei der Copa an, zwölf weitere in der Kategorie Eurofleurs – alle mit einem Ziel: Sie wollen die sechs technischen Prüfungen dominieren, die von strengen Regularien vorgegeben sind.
Ein Wettbewerb mit Tradition und Härte
Die Copa de Europa blickt auf eine Geschichte seit 1967 zurück – erstmals ausgetragen in Stuttgart. Eurofleurs folgte 1998 in Birmingham. Die Disziplinen sind anspruchsvoll: Zwei Aufgaben bereiten die Kandidaten im Voraus vor, drei folgen dem Semi-Überraschungsformat mit Material vom hauseigenen Marktplatz, eine ist eine echte Überraschungsprüfung mit vom Veranstalter gestellten Utensilien. Das ist kein gemütliches Blumenstecken, sondern Können unter Druck – Kreativität, Präzision und Nervenstärke werden gleichermaßen bewertet.
Barocke Tafeln und tänzerische Körperkunst
Die Veranstalter haben sich einiges einfallen lassen, um den Wettstreit mit regionaler Identität aufzuladen. Die zweite Aufgabe verlangt von den Floristen einen Tafelarrangement-Entwurf, der von der ornamentalen Pracht der Kathedrale von Murcia inspiriert sein soll – ebenso wie von den Stillleben der Barockmaler Antonio Ponce, Juan de Arellano, Juan Sánchez Cotán, Juan de Zurbarán und Francisco de Goya. Das ist eine klare Referenz an das kulturelle Erbe, die weit über bloße Deko hinausgeht.
Die dritte Prüfung setzt noch einen drauf: Die Teilnehmer entwerfen eine langlebige, tragbare Körperdekoration für einen männlichen Künstler der „Batalla de las Flores". Diese Verbindung von menschlicher Anatomie und Festtagswagen-Design dürfte die aufregendste Herausforderung des gesamten Bewerbs sein – und sie bricht bewusst mit der klassischen Vorstellung von Blumenarrangements als Tischschmuck oder Brautstrauß.
Ein Hauch von Valencia, Oper und Mandelblüte
Und weiter geht es in die Breite: Ein Pflanzarrangement mit Topfpflanzen orientiert sich an der City of Arts and Sciences in Valencia, ein Brautstrauß nach der Oper „Carmen" von Georges Bizet. Das Finale setzt ein Zeichen für die Landschaft: Der gebundene Strauß mit dem poetischen Titel „Aroma y color" – Duft und Farbe – nimmt die Rosenblüten des Pfirsichs aus Cieza, die Lavendelfelder von Moratalla und die Orangenblüten des Ricote-Tals auf. Eine Hommage an den Frühling der Region, die ihresgleichen sucht.
Ein Preis, der neue Maßstäbe setzt
Am Ende gewinnt, wer die Gesamtwertung anführt – und darf sich dann nicht nur „Champion of Europe" nennen, sondern erhält auch den Florint-EuroTrophy-Pokal sowie die Gold-, Silber- oder Bronzemedaillen der jeweiligen Kategorie. Für Murcia ist das mehr als ein Imagegewinn: Die Veranstaltung könnte dem lokalen Blumensektor neue Märkte erschließen und die Region als Reiseziel für Kulturinteressierte stärken, die mehr suchen als Strand und Sonne.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, sieht die Organisation Florint, die 1956 in Straßburg gegründet wurde, in Murcia offenbar einen idealen Gastgeber – mit einer Bühne, die nicht nur durch ihre Festkultur überzeugt, sondern auch durch eine unverwechselbare botanische Vielfalt. Der Termin steht, die Aufgaben sind definiert – jetzt muss sich zeigen, ob die Region die Rolle des Gastgebers so souverän ausfüllt wie die Blumen, die sie präsentiert.
Quelle: europapress.es