
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Jerez feiert Nacht der Religionen
Ein Abend für die Menschlichkeit
Während in Europa die Gräben zwischen den Kulturen oft tiefer werden, setzt eine Stadt in Andalusien auf das Verbindende: Am 5. November verwandeln sich die Claustros de Santo Domingo in Jerez de la Frontera in eine Bühne der interreligiösen Verständigung. Die mittlerweile siebte „Nacht der Religionen" steht unter dem Motto „Der Respekt vor der Menschenwürde" – ein klares Bekenntnis in Zeiten, in denen Populisten weltweit mit der Spaltung von Gesellschaften kassieren.
Mehr als nur fromme Worte
Hinter dem Event steckt bemerkenswerte Kooperationsarbeit: Die Islamische Frauenvereinigung Bismillah, die Islamische Gemeinschaft Al Umma, die Ordensgemeinschaft CONFER, das Hogar La Salle, die Orthodoxe Kirche und die Jesu-María-Schwesternschwestern haben sich zusammengetan. Sie alle eint die Überzeugung, dass der Dialog zwischen den Konfessionen kein Luxus, sondern eine Überlebensfrage für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist. Wie die Veranstalter betonen, werden „Botschaften aus den heiligen Texten" verlesen, und die Stimmen sollen sich „für Frieden, Gerechtigkeit und die Würde aller Lebewesen" erheben.
Ein Gegenentwurf zur Polarisierung
Kritiker mögen einwenden, solche Abende seien symbolische Alibi-Veranstaltungen ohne echte Reichweite. Doch dieser Einwand verfängt nicht: Die „Nacht der Religionen" versteht sich als aktive Präventionsarbeit. Die Stadtverwaltung und die lokale Tischgesellschaft für Koexistenz argumentieren schlüssig, dass der Austausch zwischen Überzeugungen Kosten von Gewalt reduziert und soziale Kohäsion in einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft stärkt. Es geht nicht um die Einebnung von Unterschieden, sondern um die Anerkennung gleicher Würde – ein Prinzip, das die UNESCO als Fundament für nachhaltige Entwicklung definiert.
Offen für alle
Bemerkenswert ist die Reichweite des Formats: Die Veranstaltung richtet sich ausdrücklich auch an Menschen ohne religiöse Bindung oder mit anderen Glaubensrichtungen. Die Botschaft ist klar: Wer den Dialog verweigert, überlässt das Feld jenen, die aus Differenzen Keile treiben. Jerez zeigt, wie man dagegenhält – mit offenen Türen statt mit Parolen.
Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr in den Claustros de Santo Domingo. Der Eintritt ist frei.
Quelle: europapress.es