
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Dana-Opfer wehren sich gegen Vereinnahmung
Ein Preis gegen das Vergessen
Es war ein Akt der Selbstbehauptung, der am Samstagvormittag im Teatro Talia von Valencia über die Bühne ging. Opfer der verheerenden Dana-Flutkatastrophe vom Oktober 2024 haben mit der ersten Ausgabe der Preise „Memòria“ jene Menschen und Institutionen geehrt, die ihnen in den dunkelsten Stunden „die Hand gereicht“ haben. Doch die Zeremonie war mehr als nur ein Dankesfest – sie war eine Kampfansage an alle, die aus der Tragödie mit 234 Toten politisches Kapital schlagen wollen.
„Unsere Würde ist nicht in den Verkauf gegangen“, ließen Rosa Álvarez, Präsidentin der organisierenden Vereinigung der Todesopfer der DANA 29-O, und ihre Stellvertreterin Carmen Gil die Anwesenden wissen. Ein Satz, der wie ein Faustpfand gegen die Vereinnahmung durch die Politik wirkt – und gleichzeitig eine klare Botschaft an jene sendet, die Verantwortung tragen, aber keine übernehmen wollen.
Wissenschaft statt Schwurbelei
Die Auszeichnungen gingen an Persönlichkeiten, die inmitten des Chaos ihre Pflicht taten: an Carmen Amoraga und Maxi Roldán für ihr Buch „Lágrimas de barro“, an die Physikerin und À-Punt-Meteorologin Victoria Rosselló sowie an José Ángel Núñez, Klimatologe und Chef der Aemet in der Valencianischen Gemeinschaft. Gerade die Ehrung der beiden Wetterexperten ist eine späte Genugtuung für jene, die am 29. Oktober 2024 eindringlich gewarnt hatten – und deren Alarme ignoriert wurden. Núñez, von Haus aus bescheiden, stellte klar: „Ich bin niemand ohne wissenschaftliche Unterstützung. Ich bin ein Beamter der Staatsverwaltung, kein Direktor und kein Professor.“ Die Aemet, so sein Statement, sei ein Instrument des spanischen Staates, „dessen Mission es ist, Güter und Leben zu schützen“ – nicht Spielball politischer Launen.
UGT-Generalsekretär Pepe Álvarez, ebenfalls anwesend, goss Öl ins Feuer der Debatte: Er forderte, dass die „politischen Verantwortlichen“ zwei Jahre nach der Flut „die Opfer um Verzeihung bitten“ sollten. Seine Analyse ist unmissverständlich: Es brauche nicht nur funktionierende Warnsysteme, sondern auch „Infrastrukturen, die verhindern, dass sich so etwas wiederholt“. Der Klimawandel sei eine Realität, die man nicht wegdiskutieren könne.
Eine Szene wie ein schlechter Film
Brisant war der Auftakt der Preisverleihung: Eine kurze Theateraufführung inszenierte das Versagen der Politiker an jenem schicksalhaften Tag – namentlich jenes von Regionalpräsident Carlos Mazón. Immer wieder skandierten die Gäste den Leitsatz „Mazón a presó“ („Mazón ins Gefängnis“). Die Wut ist greifbar, auch wenn der Applaus für die mutigen Köpfe des Katastrophenschutzes die Stimmung etwas auflockerte.
Besonders die Worte von Consuelo Ordóñez, Präsidentin des Terrorismus-Opferkollektivs Covite, trafen den Nerv der Veranstaltung. Sie sprach von einem „Ehre“, an der Seite der Flutopfer zu stehen, und prangerte an, wie diese von der Regionalregierung „schlecht behandelt“ wurden. Ihre Solidarität ist mehr als ein Lippenbekenntnis – sie ist die Erfahrung einer Frau, die selbst weiß, wie sich staatliches Versagen anfühlt.
Die Botschaft der Überlebenden
Carmen Amoraga und Maxi Roldán, deren Buch aus der Perspektive der Betroffenen erzählt, fassten das Paradox der Gedenktage zusammen: „Einerseits die Genugtuung, Teil einer riesigen Gruppe zu sein, die nicht zulässt, dass vergessen wird, was passiert ist. Andererseits große Traurigkeit beim Erinnern.“ Ihr Werk sei „mit vier Händen, aber mit einem einzigen Herzen“ geschrieben – und doch hätten sie es „nie schreiben wollen“.
Die Veranstaltung endete mit Musik, inspiriert von Vicent Andrés Estellés’ Gedicht „Assumiràs la veu d'un poble“ („Du wirst die Stimme eines Volkes übernehmen“). Ein programmatischer Titel, der die Botschaft der Opfer perfekt auf den Punkt bringt: Sie werden ihre Geschichte erzählen. Und sie werden nicht zulassen, dass die Wahrheit in den Schubladen der Verantwortlichen verschwindet. Am Abend folgte die Mahnwache auf der Straße — die zweite große Demonstration zum Jahrestag der Katastrophe. Die Opfer haben gesprochen. Ob die Politik zuhört, ist eine andere Frage.
[Gestützt auf Berichte von Europa Press und Aussagen der Beteiligten.]
Quelle: europapress.es