
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Schlamm und Narben: L'ETNO sammelt Zeugnisse der Flut
Eine Sammlung der Verletzungen
Schlammverkrustete Spielzeuge, verbogene Metallteile, zerrissene Familienfotos: Was wie Sperrmüll aussieht, ist in den Archiven des Valencianischen Museums für Ethnologie (L'ETNO) sorgfältig inventarisiertes Kulturgut. Die Einrichtung, die 2023 als Europas Museum des Jahres ausgezeichnet wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die verheerende Flutkatastrophe vom Oktober 2024 wachzuhalten – und das auf ungewöhnliche Weise.
Mehr als hundert Objekte umfasst die sogenannte Dana-Kollektion inzwischen. Es sind Dinge, die von ihren Eigentümern nach der Flut gespendet wurden. Doch anders als in klassischen Museumssammlungen werden diese Stücke nicht restauriert oder gesäubert. Im Gegenteil: Die Risse, Verformungen und Schlammschichten bleiben sichtbar erhalten. Sie fungieren als materielle Beweise der Tragödie, die weite Teile der Region verwüstete.
Konservieren durch Nichtstun
Pilar Payá, Konservatorin des Hauses, erklärt das Konzept gegenüber Europa Press: „Es ist eine Sammlung, die aus dem Rahmen fällt, die von einer Tragödie erzählt, die enorme gesellschaftliche Auswirkungen hatte." Die Idee dazu entstand nur wenige Wochen nach der Katastrophe. Damals, so Payá, habe man das volle Ausmaß der Zerstörung noch nicht absehen können, sei sich aber bewusst gewesen, dass dieses Ereignis das Leben tausender Menschen nachhaltig verändert habe.
Ziel sei es gewesen, eine Sammlung materieller Kultur aufzubauen, die die Flut dokumentiert. Der geografische Rahmen wurde bewusst weit gefasst, um möglichst viele der betroffenen Gemeinden einzubeziehen. Der Wert der Exponate bemisst sich dabei nicht in Geld, sondern in ihrer emotionalen und ethnografischen Bedeutung – von intimen Erinnerungsstücken bis zu Alltagsgegenständen.
Symbole der Zerstörung
Besondere Bedeutung misst Payá Instrumenten der Banda Primitiva aus Paiporta bei. Der Ort gilt als eines der Epizentren der Flut und verzeichnete die meisten Todesopfer. Auch die Geschichte einer Familie aus Pedralba, die seit Generationen Weinbau betreibt, ist Teil der Sammlung. Sie hatte bereits die Flut von 1957 erlebt und daraufhin ein privates Museum in ihrem Haus eingerichtet – das nun erneut von den Wassermassen getroffen wurde.
Die Motivation der Spender sei stets dieselbe, betont die Konservatorin: „Die Spender wollen, dass die Erinnerung an dieses tragische Ereignis nicht verloren geht, das diese Menschen, aber auch die gesamte Valencianische Gesellschaft geprägt hat." Schließlich kenne jeder jemanden, der die Flutkatastrophe durchlitten habe.
Offenes Archiv
Die Sammlung wird derzeit nicht öffentlich ausgestellt, sondern in den Magazinräumen des Museums aufbewahrt. Das Team konzentriert sich auf die fachgerechte Lagerung und wissenschaftliche Erforschung der Stücke. L'ETNO nimmt weiterhin Spenden an; über die Aufnahme entscheidet eine Kommission, die prüft, ob die Gegenstände für die Sammlung geeignet sind. Wer eine Spende in Betracht zieht, kann sich an das Museum wenden – und damit dazu beitragen, ein Stück Zeitgeschichte für kommende Generationen zu bewahren. Wie die Verantwortlichen betonen, hilft jede einzelne Spende, das gemeinsame Erbe der Region zu bereichern.
Quelle: europapress.es