Wein-Zeremonie: Jerez' Bürgermeisterin wird Dama

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Jerez de la Frontera

Wein-Zeremonie: Jerez' Bürgermeisterin wird Dama

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Ritual mit Tiefgang

Wenn sich in Jerez de la Frontera schwere rote Umhänge über die Schultern legen und hölzerne Rebstöcke als Zeichen der Würde präsentiert werden, dann ist das kein folkloristisches Relikt aus vergangenen Tagen, sondern gelebte Kulturdiplomatie. María José García-Pelayo, Bürgermeisterin der andalusischen Sherry-Hochburg, ist nun offiziell Teil dieser Tradition. Im Rahmen der 62. Investitur wurde sie zur „Dama del Serenísimo Capítulo del Vino“ ernannt – einer Institution, die seit 1966 den Wein als kulturelles Bindeglied zelebriert.

Mehr als nur ein Ehrenamt

Die Zeremonie im Consejo Regulador folgte einem strengen Protokoll: Nach der Einkleidung mit der symbolträchtigen Capa folgte der Eid, anschließend Medaille und Brindis. Zum Abschluss legte Präsident Jordi Fontquerni Bas der neuen Dama eine hölzerne Weinrebe auf die Schultern. García-Pelayo reihte sich damit in ein illustres Gästebuch ein, das seit 1966 alle Investierten und Festredner verzeichnet.

Die Wahl des Veranstaltungsortes ist dabei kein Zufall. 1968 fand hier die vierte Investitur mit José María Pemán statt. Dass das Kapitel nun ausgerechnet 58 Jahre später zurückkehrt, wertet die Stadt als Triumph – und als Bestätigung ihres Status als Weinhauptstadt. In diesem Jahr fungiert César Saldaña als Pregoneo, der als Präsident des Consejo Regulador und der Ruta del Vino die Interessen der Region bündelt.

Ein Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne

Die Bürgermeisterin versteht die Ehrung nicht als persönliche Auszeichnung, sondern als Signal nach außen. Der Wein sei „eine Manifestation der Geschichte und ein Motiv der Concordia“, so García-Pelayo. Sie sieht in den Gästen aus ganz Europa und den USA eine Chance, Jerez als globale Weinmarke zu positionieren. Das Serenísimo Capítulo, das einst mit Salvador Dalí als Festredner startete, habe sich von einem elitären Zirkel zu einer Plattform entwickelt, die Produzenten, Intellektuelle und Gesellschaft verbindet – unabhängig von Denominaciones de Origen.

Die Kritik, solche Rituale seien angesichts drängender Probleme der Stadt wie Wohnungsnot oder Infrastrukturmangel bloße Symbolpolitik, prallt an der Rathauschefin ab. Für sie ist die Pflege der Weinidentität Wirtschaftsfaktor und kulturelles Erbe zugleich. Wer Jerez verstehen wolle, müsse den Wein verstehen – das sei keine Flucht aus der Realität, sondern ihre Grundlage.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, wurden neben der Bürgermeisterin acht weitere Persönlichkeiten in die Bruderschaft aufgenommen. Die Zeremonie endete im Palacio del Vino, der bereits 1968 Schauplatz war – ein Ort, der die Kontinuität dieser spanischen Weintradition symbolisiert.


Quelle: europapress.es

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