
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Granada testet nachhaltige Lieferkonzepte
Neue Wege für die Warenzustellung
Die Stadtverwaltung von Granada will die Logistik in der Innenstadt neu organisieren. Wie die Kommunalbehörde mitteilte, ist die südspanische Stadt nun offiziell Teil der Transferphase des europäischen Projekts Med Colours. Die Initiative, die über das Programm Interreg Euro-MED finanziert wird, zielt darauf ab, urbane Logistiksysteme zu modernisieren und Städte klimafreundlicher zu machen. Konkret geht es darum, die Zustellung von Waren besser zu koordinieren, Emissionen zu senken und öffentliche Räume zu entlasten.
Von anderen Städten lernen
In der ersten Projektphase sammelten sechs Städte praktische Erfahrungen: Livorno, Cesena, Thessaloniki, Koper, Lissabon und Lyon. Diese Ergebnisse sollen nun in Granada, Ferrara und Maribor erprobt und an lokale Bedingungen angepasst werden. Die Erkenntnisse aus den Pilotversuchen, etwa zu Ladezonen, Lieferzeiten oder Fahrzeugtypen, sollen als Grundlage für eigene Konzepte dienen. Die Stadtverwaltung erhofft sich davon konkrete Impulse für eine effizientere Organisation der Warenströme im städtischen Raum.
Verknüpfung von Wirtschaft und Wohnqualität
Die zuständige Stadträtin für Mobilität, Ana Agudo, betonte den praktischen Nutzen des Austauschs. Die Integration in das Projekt sei eine Chance, die Verteilung von Gütern neu zu denken, ohne die Bedürfnisse von Handel, Anwohnern oder Pendlerinnen und Pendlern aus dem Blick zu verlieren. Man wolle Lösungen finden, die den Alltag in der Stadt verbessern, so Agudo. Sie verwies darauf, dass eine Reduzierung der Emissionen nicht allein über saubere Fahrzeuge erreicht werde; entscheidend sei auch eine bessere Abstimmung von Lieferverkehr, Haltezonen und der allgemeinen Mobilitätsplanung.
Konkrete Maßnahmen vor Ort
Die Beteiligung an Med Colours reiht sich in bestehende Aktivitäten der Stadt ein. So sieht die neue Ordnung für nachhaltige Mobilität erstmals eigene Regeln für den Lieferverkehr vor. Darin enthalten sind einheitliche Zeitfenster für Be- und Entladezonen, Sonderregeln für Fußgängerbereiche und eine bevorzugte Behandlung emissionsarmer Fahrzeuge. Zudem verweist die Verwaltung auf ein Pilotprojekt in der belebten Straße Ángel Ganivet. Dort wurde das bisherige Zustellsystem neu geordnet, nachdem Verwaltung, Gastronomie, lokale Geschäfte, Spediteure und Anwohner gemeinsam einen neuen Rahmen ausgearbeitet hatten.
Datengrundlage für künftige Planungen
Ergänzend wurde ein Gutachten zur städtischen Lieferlogistik erstellt, das die Stadt gemeinsam mit der Handelsorganisation Aecoc erarbeitet hat. In die Analyse flossen die Sichtweisen von Fahrern, Gewerbetreibenden, Herstellern und Endverbrauchern ein. Diese Daten, so Agudo, sollen als Basis für weitere Anpassungen dienen. Granada selbst stellt die Planer vor besondere Herausforderungen: Mehr als 233.000 Einwohner leben in der Stadt; im gesamten Ballungsraum sind es über 500.000. Hinzu kommen eine große Universität sowie ein hohes Tourismusaufkommen, insbesondere in den zentralen und stark frequentierten Vierteln.
Wie die Stadträtin weiter ausführte, helfe die Zusammenarbeit mit anderen Mittelmeerstädten dabei, geeignete Maßnahmen zu identifizieren. Die Probleme im städtischen Lieferverkehr teilten viele Kommunen; der Erfahrungsaustausch ermögliche es, erprobte Konzepte auf die eigene Situation zu übertragen. Mit der Kombination aus lokaler Datenerhebung und internationaler Kooperation will die Stadt ihre Lieferlogistik fit für die Zukunft machen.
Quelle: europapress.es