Minister fordert Einigung bei Industriestandort

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Minister fordert Einigung bei Industriestandort

von Redaktion

Blockade im Parlament

In einem eindringlichen Appell hat sich Industrieminister Jordi Hereu an die politischen Parteien gewandt. Sie sollten “ihrer Verantwortung gerecht werden” und die seit Ende 2024 im Parlament feststeckende neue Industriegesetzgebung endlich auf den Weg bringen. Diese Gesetzesnovelle wird als dringend notwendig angesehen, um Spaniens Industriestandort für die Zukunft zu wappnen.

Während einer Diskussionsveranstaltung des Wirtschaftsverbands in Barcelona, wie Europa Press berichtet, kritisierte Hereu die Blockadehaltung. “Es gibt politische Kräfte, die in anderen Zeiten ein Instrument, das allen dient, klar unterstützt hätten”, so der Minister. Er rief dazu auf, proaktiv zu handeln und das veraltete Industriegesetz von 1992 an die Herausforderungen des Jahres 2026 anzupassen. Notfalls werde man jedoch nicht auf einen “Anfall von Verantwortung” bei den Blockierern warten, sondern praktische Abkommen wie jenes mit der Automobilbranche weiter vorantreiben.

Tourismus: Leichte Delle erwartet

Auf die Frage nach den aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Belastungen für den Tourismus gab Hereu eine nüchterne Einschätzung ab. Die Konflikte im Nahen Osten und gestiegene Treibstoffpreise würden voraussichtlich einen “leichten” Effekt auf die Touristenzahlen haben. Statt eines möglichen Wachstums von zwei bis drei Prozent könnte es nun etwas weniger sein.

Die grundsätzliche Strategie werde dadurch aber nicht infrage gestellt. Man bleibe bei der Roadmap, die auf eine breitere Verteilung der Besucherströme, mehr Produktvielfalt, eine Entzerrung der Saison und Digitalisierung setzt. Bei der Treibstoffversorgung für Fluggesellschaften betonte Hereu, dass die spanischen Lager voll seien. Ein Problem entstehe aber dann, wenn andere europäische Zielflughäfen, wie etwa London-Gatwick, Lieferengpässe hätten. “Wenn Spanien versorgt ist, aber das Flugzeug von Málaga nach Gatwick in Gatwick Probleme hat, dann haben auch wir ein Problem”, erläuterte er das interdependente System.

Die Zukunft: Produktivität und Fachkräfte

Für die industrielle Zukunft Spaniens sieht der Minister zwei zentrale Hebel. Zum einen müsse in innovative Zukunftsbranchen investiert werden, zum anderen müssten die traditionellen Industriezweige eine digitale Transformation durchlaufen. Diese Modernisierung müsse später auch für KMU einfach zugänglich gemacht werden, um Wachstum zu ermöglichen: “Damit aus Mikrounternehmen kleine werden, aus kleinen mittlere und so weiter.”

Ein ebenso großes Zukunftsthema ist die Anziehung und Bindung von Talent. Hereu betonte, dass die Industrie hier “ihre Hausaufgaben machen” und dies auch kommunizieren müsse. Ziel sei es, den industriellen Stolz wiederzubeleben und zu verbreiten – als Grundlage für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft.

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