
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Marbella rüstet gegen Algenplage auf
Ein Vertrag für den Ausnahmezustand an der Küste
Die invasiven Teppiche aus Braunalgen, die seit Jahren die Strände der Provinz Málaga ersticken, haben die kommunale Planung grundlegend verändert. Was einst als saisonale Müllabfuhr galt, ist heute Teil kritischer Infrastruktur. Die Stadt Marbella reagiert nun mit einem gewaltigen logistischen Kraftakt: Für rund sechs Millionen Euro hat die Verwaltung einen Rahmenvertrag ausgeschrieben, der die Miete von mehr als 50 Spezialfahrzeugen und Maschinen über einen Zeitraum von vier Jahren sicherstellt. Die Option auf eine Verlängerung um ein weiteres Jahr ist vertraglich verankert.
Der Beschluss, der im städtischen Vergaberegister einsehbar ist, zielt darauf ab, die insgesamt 27 Kilometer lange Küstenlinie dauerhaft in einem nutzbaren Zustand zu halten. Die Stadtverwaltung spricht von einem „Instrument der Prävention, Wartung und Sicherheit“. Dabei geht es nicht allein um die Beseitigung der Algenmassen, sondern um ein integriertes System zur Bewirtschaftung des gesamten Küstenraums. Die Maschinen werden nicht nur an den Stränden eingesetzt, sondern auch entlang der 21 Bäche und vier Flüsse, die das Gemeindegebiet durchziehen.
Technik für den Kampf gegen die Biomasse
Das ausgeschriebene Maschinenpaket liest sich wie das Inventar eines Großbauprojekts. Im Kern stehen schwere Radlader, Hochleistungstraktoren mit Allradantrieb sowie große Muldenkipper, die unerlässlich sind, um die tonnenschweren Algenablagerungen vom Ufer zu transportieren. Doch die Ausstattung geht über den reinen Abtransport hinaus. Die Gemeinde hat auch spezielle Strandreinigungsgeräte geordert, die mit Sieben den Sand von organischem Material trennen. Für Arbeiten in engen Passagen und ökologisch sensiblen Zonen stehen kompakte Minibagger und Bobcats bereit.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Profilierung des Strandes. Nach den Winterstürmen, die regelmäßig große Sandmengen verlagern, sollen die Fahrzeuge das Terrain neu modellieren und das Material innerhalb der Küstenabschnitte umverteilen. Dies dient laut Ausschreibungstext nicht nur der Ästhetik, sondern auch der Sicherheit: Unebene Bereiche sollen eingeebnet, Zugänge barrierefrei gestaltet und Erosionsschäden repariert werden. Ergänzt wird das Paket durch Tankwagen für die Reinigung sowie durch Baumaschinen wie Planierraupen und Bagger, die für die Instandhaltung der Flussläufe vorgesehen sind.
Chronik eines sich zuspitzenden Problems
Die Entscheidung ist das Ergebnis einer kontinuierlichen Verschlechterung der Lage an der Küste. Bereits in den Vorjahren mussten die Behörden händeringend Technik organisieren, um die Anlandungen der Alge, die im Mittelmeer keine natürlichen Fressfeinde hat, zu bewältigen. Die Situation eskalierte immer dann, wenn Stürme die Biomasse in Massen an die Strände spülten. Der nun vergebene Rahmenvertrag ersetzt ein älteres, ausgelaufenes Abkommen, das den veränderten Anforderungen nicht mehr gewachsen war.
Beobachter werten den Schritt als Eingeständnis der Kommunen, dass die Bewältigung dieser ökologischen Krise keine vorübergehende Aufgabe mehr ist. Die Alge, die ursprünglich aus dem Pazifik stammt, hat sich entlang der andalusischen Küste fest etabliert und verdrängt heimische Arten. Der städtische Planungsstab geht davon aus, dass die neue Maschinenflotte die Reaktionszeit bei Umweltalarmen deutlich verkürzen wird. Neben der Algenbekämpfung soll sie auch bei Unwettern, Hangrutschen oder anderen Schäden an der Infrastruktur schnell eingreifen können. Der Vertrag läuft über 48 Monate, wobei die jährlichen Kosten von 1,5 Millionen Euro als fester Posten im Haushalt eingeplant sind.
Wie das spanische Nachrichtenportal Diario Sur berichtet, stellte die Umweltabteilung der Stadt bei der Vorstellung des Projekts klar: „Es geht nicht um einen simplen Maschinenpark, sondern um ein Instrument, das uns in die Lage versetzt, Probleme zu antizipieren.“ Der Fokus liege auf einer permanenten Einsatzbereitschaft.
Quelle: diariosur.es