
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Wassermühle erleuchtete einst zwei Dörfer
Ein Jahrhundertbauwerk in Betrieb
Mehr als 200 Jahre nach ihrer Errichtung drehen sich die Mühlsteine im Molino de la Huerta de Angulo noch immer. Das Wasser des Flusses Tajuña treibt die Anlage in Morata de Tajuña an, die einst Getreide verarbeitete und später sogar Strom für zwei Gemeinden lieferte. Die Anlage gilt laut Gemeindeverwaltung als letzte funktionsfähige Mühle dieser Art in der Autonomen Gemeinschaft Madrid.
Heute beherbergt das Gebäude ein Museum zur Mühlentechnik. Besucher können dort nachvollziehen, wie die Wasserkraft genutzt wurde, bevor industrielle Maschinen Einzug hielten. Das Bauwerk aus dem frühen 18. Jahrhundert war unter Namen wie Molino de Abajo bekannt und wechselte mehrfach die Besitzer. Vermutlich stand an gleicher Stelle bereits ein Vorgängerbau.
Ein Handwerk in Familienhand
Victoriano Loriente kennt die Anlage aus Kindertagen. Sein Vater arbeitete dort als Müller, ebenso zuvor schon sein Großvater. Rund zehn Jahre lebte Loriente in der Mühle und half bereits als Jugendlicher bei der Getreideverarbeitung. Das Wissen um die Mechanik habe er von seinem Vater übernommen, erzählt er bei einem Rundgang, den das Programm „Historias con Vida“ der Regionalregierung organisierte.
Die Technik ist simpel: Ein Kanal leitet Wasser aus dem Fluss um und erzeugt einen Gefällehöhe von etwa zweieinhalb Metern. Öffnet man die Schleuse, strömt das Wasser auf ein Schaufelrad, das über eine Welle den oberen Mühlstein antreibt. Der Mühlstein läuft über einem festen Unterstein; dazwischen wird das Korn zermahlen. Müller konnten sowohl die Wassermenge als auch den Abstand der Steine regulieren.
Die Mahlsteine selbst bestanden zunächst aus Granit, später aus resistenterem Feuerstein. Deren Oberfläche war mit Rillen versehen. Loriente erinnert sich, dass beim Nachschärfen der Steine mit Meißeln immer wieder Metallstücke herausbrachen und sich in den Steinen verkeilten. In Notzeiten nutzten die Müller die Wasserkanäle außerdem zum Fischfang.
Vom Korn zur Kilowattstunde
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erlebte die Mühle einen tiefgreifenden Wandel. Um das Jahr 1888 ließ ein neuer Eigentümer das Anwesen modernisieren. Die Familie Mac-Crohon installierte schließlich eine Wasserturbine, die nicht nur die Mahlwerke antrieb, sondern auch einen Generator speiste. Die so erzeugte Elektrizität versorgte die Haushalte von Morata de Tajuña und dem benachbarten Valdelaguna. Eine Kohledampfmaschine diente als Ersatz, wenn der Fluss wenig Wasser führte. Aus dieser Ära stammt der markante Ziegelschlot des Gebäudes.
Im Museum sind noch Teile der technischen Ausstattung zu sehen: die Turbine mit etwa 15 PS Leistung, Getriebe, Reinigungszylinder und Siebvorrichtungen für das Mehl. Loriente erläutert die Bedienung der Zahnräder, die je nach Bedarf ein- oder ausgekuppelt wurden. Alte Fotografien und Pläne ergänzen die Schau.
Wenige Bauwerke in der Region verbinden auf diese Weise vorindustrielles Handwerk, landwirtschaftliche Geschichte und frühe Elektrifizierung – und bleiben dabei bis heute funktionsfähig.
Quelle: Europa Press
Quelle: europapress.es