Abascal spricht von Invasion auf El Hierro

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Kanarische Inseln

Abascal spricht von Invasion auf El Hierro

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Provokation in der Krise

Wer in einer humanitären Ausnahmesituation das Wort „Invasion“ wählt, offenbart mehr über die eigene politische Agenda als über die Lage vor Ort. Santiago Abascal, Chef der Rechtspartei Vox, hat genau das getan. Auf der Plattform X schreibt er von einer „weiteren Invasion“ auf der Kanareninsel El Hierro – und meint damit schutzsuchende Menschen, die in seeuntauglichen Booten das Leben riskieren. Doch die Rechnung des Populisten geht nicht auf: Die Faktenlage widerlegt seine Wortwahl fundamental.

Die Lage: Überfordert, aber nicht überrannt

Die Zahlen, die Abascal nennt, sind korrekt – seine Schlussfolgerungen jedoch sind es nicht. Rund 8.000 Menschen sind in den letzten fünf Wochen auf El Hierro angekommen, eine Insel mit gerade einmal 12.000 Einwohnern. Das ist eine enorme Belastung, keine Frage. Die Hilfsorganisationen und die Behörden vor Ort arbeiten am Limit. Kürzlich erst hat der Inselpräsident Alpidio Armas die „emergencia social“ ausgerufen und mehr Personal sowie rotierende Einsatzkräfte gefordert. Wer die Situation kennt, spricht von Überforderung, von einem System, das kurz vor dem Kollaps steht. Wer die Situation politisch instrumentalisieren will, spricht von „Invasion“.

Die falsche Diagnose des Vox-Chefs

Genau hier liegt der Kern des Problems: Abascal liefert keine Lösungen, sondern Feindbilder. Er unterstellt der Regierung von Pedro Sánchez und der kanarischen Exekutive, die Menschen „schnell über ganz Spanien verteilen“ zu wollen. Das klingt nach Verschwörung, ist aber schlicht die Realität einer jeden Entlastungsstrategie – ein logistischer Akt, kein politischer. Sánchez' Umgang mit der Krise ist gewiss nicht perfekt, aber ihn als Architekten einer heimlichen „Umvolkung“ darzustellen, ist schlichtweg absurd. Die eigentliche Frage lautet doch: Warum gibt es keine funktionierende europäische Asylpolitik, die solche Situationen gar nicht erst entstehen lässt?

Die unbequeme Wahrheit dahinter

Was Abascal mit seiner Rhetorik bewusst ausblendet, ist die Tatsache, dass die Migranten nicht wegen Sánchez nach El Hierro kommen. Sie fliehen vor Krieg, Armut und Perspektivlosigkeit. Länder wie Mauretanien, Senegal oder Gambia erleben die schlimmsten humanitären Krisen seit Jahrzehnten. Die Kanaren sind geografisch das nächste Ziel – das ist eine Tatsache, keine Verschwörung. Wer hier von „Invasion“ spricht, verhöhnt nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Inselbewohner, die tagtäglich Erstaunliches leisten, um Menschen zu retten und zu versorgen.

Ein Spiel mit dem Feuer

Am Ende bleibt ein bitterer Beigeschmack: Abascal nutzt die Notlage von Tausenden Menschen, um Stimmung zu machen. Das ist nicht nur geschmacklos, sondern gefährlich. Denn solche Worte schüren Angst und Hass – und lenken von den eigentlichen Fragen ab: Wie kann Europa seine Außengrenzen human gestalten? Wie können die Kanaren entlastet werden? Solange die Debatte von Parolen dominiert wird, bleibt die Antwort darauf in weiter Ferne. Wie unter anderem Europa Press berichtet, zeigt sich die Realität vor Ort nämlich weniger als Invasion, sondern als dramatischer Hilferuf – von Migranten wie von Helfern.


Quelle: europapress.es

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