Unbekannte Zahl gefährdeter Stützmauern

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

gelida

Unbekannte Zahl gefährdeter Stützmauern

von Clara Weber

Seit den schweren Unwettern im Januar lässt das spanische Verkehrsministerium zahlreiche Stützmauern und Böschungen entlang von Autobahnen und Bahnstrecken reparieren. Die Schäden waren teils dramatisch: In Gelida (Barcelona) löste sich ein Hang, ein Lokführer kam ums Leben; in Álora (Málaga) blockierte ein eingestürzter Mauerabschnitt monatelang die Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid–Málaga. Dennoch geben die zuständigen Behörden zu, nicht zu wissen, wie viele dieser Bauwerke überhaupt existieren und wie viele akut einsturzgefährdet sind.

Wie die Zeitung 20 Minutos unter Berufung auf eine Anfrage über das Transparenzportal berichtet, antworteten sowohl der Präsident von Adif, Luis Marco de la Peña, als auch die Generaldirektion für Straßen nahezu wortgleich: Eine vollständige Erfassung aller Mauer- und Hangbauwerke wäre demnach nur mit einem mehrwöchigen Einsatz spezialisierter Techniker möglich. Die Begründung: Stützmauern und Böschungen seien keine „eigenständige Kategorie“ innerhalb der Infrastruktur, sondern Teil von „Zehntausenden Einzelelementen“. Eine Identifikation setze die „Auswertung elementweiser technischer Blätter“ voraus – was nach geltendem Transparenzgesetz nicht verlangt werden könne, da es sich um die Erstellung neuer Informationen handele.

Fehlende Übersicht trotz akuter Gefahren

Die Verweigerung der Auskunft wiegt umso schwerer, als die Behörden kurz zuvor in Katalonien 30 „schwarze Punkte“ identifiziert hatten, die nach den Januar-Unwettern dringend saniert werden mussten. Unfälle wie in Gelida oder die monatelange Sperrung der Schnellfahrstrecke bei Álora hatten die Verwundbarkeit der Infrastruktur offengelegt. Dennoch scheint es keine zentrale Datenbank zu geben, die den Zustand aller Mauer- und Hangbauwerke erfasst.

Reparaturen laufen auf Hochtouren – aber ohne Gesamtplan

Gleichzeitig hat die Regierung seit Februar in fast jeder Kabinettssitzung dringliche Reparaturaufträge vergeben. Allein am 29. Juni genehmigte das Kabinett die Stabilisierung eines Hangs an der N-630 bei Villamanín (León). Ende Juni folgte die Sicherung einer Böschung an der N-340 in Rubite (Granada). Diese Woche starten zudem Arbeiten an der Autobahn A-6 und der Nationalstraße N-6 in Madrid, für die das Ministerium 1,6 Millionen Euro bereitstellt. Die Maßnahmen sollen bis Ende Juli abgeschlossen sein.

Die Diskrepanz zwischen dem operationellen Handeln und der fehlenden Grundlagenkenntnis ist eklatant. Während vor Ort technische Teams Woche für Woche Schäden beheben, können die obersten Verantwortlichen nicht sagen, wie viele vergleichbare Bauwerke noch unentdeckt oder unzureichend gesichert sind. Solange kein vollständiges Inventar existiert, bleibt das Risiko weiterer Hang- und Mauerbrüche bei künftigen Starkregenereignissen bestehen – ein strukturelles Versagen im Sicherheitsmanagement der Verkehrsinfrastruktur.


Quelle: 20minutos.es