Nationaler Ausnahmezustand: Wie der Verkehr sich der totalen Sonnenfinsternis beugt

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

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Nationaler Ausnahmezustand: Wie der Verkehr sich der totalen Sonnenfinsternis beugt

von Jonas Beck

Hoffen auf Sternstunde, planen für den Ernstfall

Wenn sich der Mond am 12. August haarscharf vor die Sonne schiebt, starren Millionen Menschen in den Himmel. Die Vorbereitungen dafür gleichen derzeit allerdings mehr einer militärischen Logistikübung. Es ist ein schmaler Grat zwischen dem Wunsch, ein Naturschausaal zu bestaunen, und der Gefahr, dass tausende Schaulustige die sensible Infrastruktur der Touristenmagneten und Naturschutzgebiete überlasten.

Die Sicherheitsbehörden haben sich auf die größten anzunehmenden Unwägbarkeiten eingerichtet. Der Zivilschutz hat für die Dauer der Veranstaltung, wie ein absehbares Verkehrschaos euphemistisch genannt wird, in weiten Teilen des Landes den Ausnahmezustand ausgerufen. Maßgeblich ist dabei das Motto: Schützen, was zu schützen ist, und zwar nicht nur die Naturschätze, sondern auch die eigene Haut.

Vom Stadtgürtel bis zum Bergpfad

Das größte Spannungsfeld erstreckt sich über vier zentrale Szenarien. Da wären zuerst die Städte, die ihre Adern für den Individualverkehr kappen, um Platz für Besucherströme zu schaffen. Die aragonesische Metropole Zaragoza schränkt die Nutzung ihrer markanten Brücken massiv ein. Bereits am Morgen bleibt die Steinbrücke dicht, die restlichen Querungen folgen am Nachmittag. Das Ziel: Der gewonnene Platz soll den Bussen und Bahnen gehören, die im Schichtbetrieb die Menge bewegen sollen.

Ein anderes Bild in der Levante: Wer im Großraum Valencia das Naturschutzgebiet der Albufera ansteuern will, hat weitgehend das Nachsehen. Die Straßen führen an diesem Tag nicht überall hin, sondern enden an Kontrollpunkten. Einzig registrierte Anwohner und der ÖPNV lassen die Absperrungen passieren. Es ist die Angst vor einem Flächenbrand, die diese Vororte betoniert, präventiv wird der Pyro-Schutz in den Vordergrund gerückt.

Choreographie der Ausnahmezustände

Im Nordwesten der Halbinsel hingegen feiert man die Natur als Spektakel. A Coruña, der laut Kalender am frühesten gelegene Ort Mitteleuropas für das Himmelsspektakel, dreht gleich noch einmal die Schraube an. Promenaden und Hänge werden zum Fußgängerareal erklärt, um die Begegnung mit dem Himmelsschauspiel in fachmännisch geschützter Umgebung zu zeugen.

Die Baleareninsel macht es schließlich vor, wie sich das Prinzip „Luxus der Fülle“ auch im Osten ausnimmt, klingt aber ähnlich wie beim Festland: Im Schatten der Palmen kriegen die Besucher nur mit Shuttle Freie Sicht. Ein Verletzen der Wege als symbolischer Akt des Widerstands wird so nicht möglich sein. Am Ende zählt der Rausch, schon bevor irgendein Schatten sich über das Land senkt, also vor allem das eine: Geduld und ein dickes Unterhaltungsangebot, um im Stau zu stehen. Ob man am Ende wirklich viel sieht, bleibt wohl der heißeste Tipp des Tages.

Informationsstand: 11. August, 10:00 Uhr. Die Entwicklungen sind dynamisch, Kontrollen wurden in den Kommunen angekündigt. Bitte erkundigen Sie sich vor dem Ausflug über die aktuellen Verkehrsmeldungen.


Quelle: 20minutos.es