
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Immobilienpreise in Marbella überschreiten erstmals 800.000 Euro
Eine Marke, die Geschichte schreibt
Die Zahlen, die das Portal Estadístico del Notariado in seiner jüngsten Auswertung veröffentlicht hat, sind eindeutig: Zwischen Januar und Mai 2026 lag der durchschnittliche Kaufpreis für eine Wohnung in Marbella bei 803.522 Euro. Es ist das erste Mal, dass der Statistischen Erfassung aller notariell beurkundeten Kaufverträge zufolge die Acht-Hunderttausend-Euro-Grenze in einem Kalenderjahr überschritten wurde. Die Steigerung gegenüber 2022 beträgt 38,3 Prozent – damals lag der Mittelwert noch bei 580.969 Euro.
Ein Blick auf die Jahresdurchschnitte zeigt eine ungebrochene Aufwärtsbewegung: 663.933 Euro im Jahr 2023, 704.691 Euro im Jahr 2024 und 736.936 Euro im Jahr 2025. Zwar gab es in einzelnen Monaten bereits früher Ausschläge nahe oder über der Marke, doch ein Jahresdurchschnitt von mehr als 800.000 Euro war bislang nicht erreicht worden. Auch der Quadratmeterpreis kletterte deutlich: Er liegt in den ersten fünf Monaten bei 4.894 Euro – das sind 469 Euro mehr als im Vorjahreszeitraum (4.425 Euro) und 1.245 Euro mehr als 2023 (3.649 Euro). Im Vergleich zu 2022 entspricht dies einem Anstieg von 49,89 Prozent.
Nicht nur die Luxusmeile treibt die Preise
Die Entwicklung ist keineswegs allein auf exklusive Lagen wie die Milla de Oro beschränkt. Ein besonders anschauliches Beispiel liefert der Ortskern San Pedro Alcántara. Dort kostete eine Wohnung im Jahresdurchschnitt 2024 noch 511.260 Euro, im Folgejahr schon 608.532 Euro. In den ersten fünf Monaten von 2026 notiert der Durchschnittspreis dort bei 714.050 Euro – fast 40 Prozent mehr als vor zwei Jahren.
Wie die Auswertung des Notariats weiter zeigt, geht der Preisrekord mit einem deutlichen Rückgang der Verkaufszahlen einher. In den Monaten Januar bis Mai wurden in Marbella insgesamt nur 1.483 Kaufverträge registriert – weniger als 300 pro Monat. Käme es zu keiner Trendumkehr, wäre dies der niedrigste Wert seit Beginn der Erfassung im Jahr 2015, ausgenommen das Pandemiejahr 2020. Der bisherige Tiefststand seit 2021 datiert aus dem Jahr 2025 mit 4.443 Verkäufen. Der aktuelle Fünfmonatswert projiziert auf das Gesamtjahr ergäbe lediglich 3.559 Transaktionen – ein Minus von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Wer kauft – und wer nicht
Die Folgen der Preisdynamik skizziert die Marbeller Initiative „Tu Primer Hogar", die sich an potenzielle Eigentümer richtet, die an der hohen Einstiegshürde scheitern. Das Projekt vermarktet Wohnungen im Modell Miete mit Kaufoption zu einem im Voraus festgelegten Preis. Seit dem offiziellen Start Mitte April verzeichnet die Initiative 600 Anfragen. Nach Angaben der Verantwortlichen zeichnen die Interessenten ein bemerkenswert homogenes Bild: „Hinter jeder Anfrage steckt eine ähnliche Geschichte", heißt es aus dem Projektteam – „ein Paar mit festem Arbeitsplatz, überdurchschnittlichem Einkommen und mehrjähriger partnerschaftlicher Lebenssituation, das jedoch nicht genügend Eigenkapital für den Erwerb ansparen konnte".
Wie das Team weiter berichtet, widerlege die Nachfrage die Annahme, dass Wohnungsnot ausschließlich Menschen mit geringen finanziellen Mitteln betreffe. Rund 60 Prozent der Interessenten verfügten über ein stabiles Einkommen, das deutlich über dem Durchschnitt liege – häufig in Festanstellung mit Führungsverantwortung. Als zentralen Hemmschuh benennt die Initiative die zunehmende Instabilität des Mietmarkts: Sieben von zehn Anfragern wohnten seit Jahren zur Miete und seien mit teils drastischen Mieterhöhungen oder Eigenbedarfskündigungen konfrontiert gewesen, nicht selten zugunsten touristischer Vermietung. Die übrigen 30 Prozent lebten weiterhin bei ihren Eltern, ohne den Schritt in die eigenen vier Wände geschafft zu haben. Auffällig häufig hätten sich zudem Eltern gemeldet, die nicht für sich selbst, sondern für ihre Kinder eine Lösung suchten – ein Indiz dafür, dass der Ersterwerb längst zu einer generationenübergreifenden Sorge geworden ist.
Die Initiative verweist darauf, dass ihre Zahlenangaben auf eigenen Erhebungen beruhen und keine repräsentative Marktanalyse darstellen. Die Notariatsdaten hingegen basieren auf sämtlichen formalisierten Kaufverträgen und bilden damit die reale Preisentwicklung ab – unabhängig von Angebots- oder Anzeigenpreisen. Wie das Portal Estadístico del Notariado weiter meldet, bleibt abzuwarten, ob sich der Abwärtstrend bei den Verkaufszahlen im zweiten Halbjahr fortsetzt oder ob eine Angebotsausweitung den Markt wieder belebt.
Quelle: diariosur.es