
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Behörden blockieren Rückkehr in Pflegefamilie
Ein Kind zwischen zwei Familien
Sie haben 17 Monate lang Verantwortung übernommen, Nächte durchwacht und Vertrauen aufgebaut. Nun müssen Pepe Ferrer und seine Frau hilflos zusehen, wie das Pflegekind, das sie wie eine Tochter lieben, in ein Centrum für Minderjährige abgeschoben wurde – gegen ihren Willen und gegen den des Mädchens. Der Fall, der am Montag vor dem Gericht in Granada verhandelt wurde, offenbart ein System, das Bindungen bricht, statt sie zu schützen.
Die Staatsanwaltschaft stellt sich gemeinsam mit der andalusischen Regionalregierung gegen die Pflegeeltern. Beide Institutionen beharren darauf, dass ein Verbleib des Kindes in der Obhut mit dem Ziel der Adoption „das Beste“ für das Mädchen sei. Eine Argumentation, die angesichts der Fakten wie Hohn wirkt. Das Kind, das im Dezember 2024 in einem „körperlich erbärmlichen Zustand“ mit nächtlichen Angstattacken in die Familie kam, hat sich dort erholt – nur um nun erneut entwurzelt zu werden.
Die Sprachlosigkeit der Behörden
Der Kern des Konflikts liegt in der Kommunikation – oder besser: in deren Fehlen. Die Pflegeeltern erfuhren im Dezember 2025, dass die damals Siebenjährige zur Adoption freigegeben werden sollte. Ein Mann, alleinstehend, war als künftiger Adoptivvater ausersehen. Die Familie wehrte sich, bot an, das Mädchen dauerhaft aufzunehmen. Vergeblich: „Die Entscheidung war getroffen“, so die Behörden. Nicht einmal die Chance, sich zu verabschieden, wurde dem Kind gewährt. Am 23. April holte die Polizei das Mädchen direkt aus der Schule – ohne Vorwarnung, ohne Rücksicht auf die emotionalen Folgen.
Es ist ein Vorgehen, das an die schlimmsten Praktiken erinnert. Die Familien werden, wie es der Vater bitter formuliert, als „bloße Behälter für Kinder“ behandelt. Als ob Liebe und Bindung, die in über einem Jahr gewachsen sind, keine Rolle spielten. Als ob man ein Kind wie ein Paket umadressieren könnte. Dass die geplanten Treffen mit dem potenziellen Adoptivvater scheiterten – die Kleine verweigerte die Besuche –, wird von den Behörden geflissentlich ignoriert.
Das Wohl des Kindes als leere Hülse
Dieser Fall zeigt, wie weit sich das spanische System von seiner eigenen Leitlinie entfernt hat: dem Kindeswohl. Die Pflegeeltern argumentieren nachvollziehbar: Das Mädchen ist bei ihnen vollständig integriert, im Dorf, in der Schule, in der Nachbarschaft. Der Prozess mit dem neuen Adoptivvater steht dagegen erst am Anfang, ist ungewiss. Wer garantiert, dass dieser zweite Eingriff in das Leben des Mädchens nicht wieder in einem Trauma endet?
Wie die Zeitung Europa Press berichtet, räumt selbst der Anwalt der Familie ein, dass man angesichts der Position der Staatsanwaltschaft nicht optimistisch sei. Zu Recht. Denn hier wird nicht nach den Fakten entschieden, sondern nach Aktenlage. Die Behörden verteidigen ihr Vorgehen mit einer Sturheit, die jeden Verdacht bestätigt, dass es nicht um das Kind geht, sondern um das Gesicht der Verwaltung.
Das Urteil steht noch aus. Doch unabhängig vom Ausgang bleibt ein bitterer Beigeschmack: Ein kleines Mädchen wurde zum Spielball zweier Institutionen, die sich beide auf das Kindeswohl berufen – und dabei das Kind selbst aus den Augen verloren haben. Es ist an der Zeit, dass Gerichte endlich die Bindung über die Bürokratie stellen.
Quelle: europapress.es