
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Studie entschlüsselt Flutkatastrophe von Valencia
Zwei Jahre nach der verheerenden Sturzflut in der Region l'Horta Sud liefert eine neue wissenschaftliche Untersuchung detaillierte Einblicke in das komplexe Ursachengefüge der Katastrophe. Forscher des Instituts für Wasser- und Umwelttechnik der Universitat Politècnica de València (IIAMA-UPV) haben den Ablauf des Unglücks vom 29. Oktober 2024 akribisch rekonstruiert. Ihre Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal "Journal of Hydrology: Regional Studies", zeichnen ein präzises Bild davon, warum die Flut derart zerstörerische Ausmaße annehmen konnte.
Zeitgleiche Flutwellen als entscheidender Faktor
Wie das Forscherteam um Carles Beneyto, Félix Francés und weitere Kollegen herausfand, lässt sich die Katastrophe nicht allein auf den damals über die Ufer tretenden Barranco de Poyo zurückführen. Entscheidend war vielmehr das zeitliche Zusammentreffen mehrerer Hochwasserwellen: Die meisten der untersuchten Trockenflüsse erreichten ihren Höchststand innerhalb eines kurzen Zeitfensters zwischen 18:30 und 19:50 Uhr. Diese fast simultanen Anschwellen führte dazu, dass gewaltige Wassermengen aus unterschiedlichen Einzugsgebieten nahezu gleichzeitig aufeinandertrafen und die Überschwemmung massiv verstärkten.
Die Computersimulationen des Teams zeigen, dass das gesamte Flusssystem vor den Hauptüberflutungen eine gemeinsame Wassermenge von rund 7.000 Kubikmetern pro Sekunde führte. "Diese Zahl ist eine gemeinsame Schätzung aller Zuflüsse, kein einzelner Messwert", präzisiert der Hauptautor Carles Beneyto. Zusätzlich spielte die Niederschlagsverteilung eine fatale Rolle: Die Regenfälle des Vormittags hatten den Boden in den Einzugsgebieten bereits stark durchnässt. "Das begünstigte eine schnellere und heftigere Reaktion der Bäche auf die außergewöhnlichen Regenfälle am Nachmittag", erklärt Beneyto die verzögerte Wirkungskette.
Sedimente und Bebauung als Verstärker der Zerstörung
Die Untersuchung zeigt, dass neben dem Wasser selbst auch die von den Fluten mitgerissenen Feststoffe erheblich zur Schadensbilanz beitrugen. Der Anteil der Sedimente am gesamten Flutvolumen wird auf etwa sieben Prozent geschätzt, während der Höchstwert während der Flutspitze sogar bei rund 19 Prozent lag. "Diese Materialien erhöhten den Fließwiderstand und reduzierten die Abflusskapazität der Gerinne, was die Auswirkungen der Flut weiter verschärfte", erläutert Félix Francés, Professor für Wasserbau am IIAMA.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Wechselwirkung der Flut mit der urbanen Landschaft. Die intensive Bebauung der Überschwemmungsgebiete, vorhandene Infrastrukturen und künstliche Barrieren veränderten die Fließwege des Wassers und die erreichten Wasserstände erheblich. Die Forscher betonen, dass das Ausmaß der Schäden sowohl von der Stärke der Flutwellen als auch von ihrer Interaktion mit der menschlichen Nutzung des Geländes abhing.
Forscher fordern Paradigmenwechsel im Hochwasserschutz
Für ihre Rekonstruktion nutzten die Wissenschaftler das am IIAMA entwickelte hydrologische Modell TETIS in Kombination mit hochauflösenden hydraulischen Simulationen. Das Projekt wurde vom spanischen Ministerium für Wissenschaft und Innovation im Rahmen des TETISPREDICT-Projekts finanziert.
Die neuen Erkenntnisse verdeutlichen nach Ansicht der Autoren, dass eine Bewertung solch komplexer Ereignisse nicht allein auf statistischen Schätzungen von Abflusswerten an einzelnen Messpunkten basieren darf. Das Team, zu dem auch Jaime Alberto Cachay-Melly, José Ángel Aranda, Miguel Á. Eguibar und Rafael García-Bartual gehören, leitet daraus eine klare Forderung für die Zukunft ab: "Wir müssen Regenfall, Reaktion der Einzugsgebiete, Sedimenttransport und Landnutzung gemeinsam bewerten. Die Integration dieser Prozesse ist fundamental, um die Risikobewertung sowie die Raumplanung und Präventionsmaßnahmen gegen extreme Überschwemmungen im Mittelmeerraum zu verbessern", so Francés abschließend. Die Studie versteht sich als Beitrag, um aus der Katastrophe von l'Horta Sud Lehren für einen besseren Schutz vor ähnlichen Ereignissen zu ziehen.
Wie das Forschungszentrum in einer Mitteilung bekannt gab, legt die Untersuchung nahe, dass die bisherige Praxis der Risikobewertung überdacht werden muss, um zukünftige Gefahren realistischer einzuschätzen. Die vollständigen Ergebnisse sind unter dem Titel "Un estudio de la UPV identifica los factores que agravaron la riada de 2024 en l'Horta Sud" abrufbar. (europa press)
Quelle: europapress.es