
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Sorgerechtsverzicht: 28 Neugeborene im August
Eine ungewöhnlich hohe Zahl an Sorgerechtsverzichten beschäftigt die Kinderschutzbehörden der Kanarischen Inseln. Allein im August haben 28 Mütter ihr Neugeborenes unmittelbar nach der Geburt in die Obhut des staatlichen Schutzsystems gegeben, weil sie sich in einer vulnerablen Lage befanden. Die Generaldirektorin für Kinderschutz und Familien, Sandra Rodríguez, sprach am Montag vor einem Ausschuss des Regionalparlaments von einer „singulären“ Entwicklung.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, konnte für alle 28 Babys eine Pflegefamilie gefunden werden. Keines musste demnach in einem Heim untergebracht werden. Rodríguez sagte, die Zahl sei „wichtig“ und gebe Anlass, die Ursachen zu untersuchen: „28 Babys in einem Monat – das ist viel.“ Man müsse überlegen, „was wir korrigieren müssen, damit solche Situationen nicht weiter auftreten“.
Behörde fordert mehr Personal und langfristige Finanzierung
Der Sorgerechtsverzicht von Neugeborenen ist nach den Worten von Rodríguez nur ein Teil des Problems. Viele Familien gäben die Vormundschaft für ihre Kinder auf, weil sie mit besonderen Belastungen überfordert seien – etwa bei psychischen Erkrankungen, Suchterkrankungen oder einer Doppeldiagnose. Es fehle an spezialisierten Ressourcen außerhalb des regulären Schutzsystems. Nötig sei ein eigenes Netz zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen und Suchtproblemen.
Um Familien früher zu unterstützen, will die Dirección General die Zusammenarbeit mit den Kommunen ausbauen. Bisher erhalten die Gemeinden der Inseln eine jährliche Zuweisung von sieben Millionen Euro für soziale Dienste. Rodríguez strebt an, die Förderung auf eine mehrjährige Grundlage zu stellen, sobald die Verordnung zum Sozialdienstegesetz vorliegt. Zugleich beklagte die Generaldirektorin einen erheblichen Personalmangel in ihrer Behörde – ausdrücklich in Las Palmas.
Programm für strafunmündige Kinder geplant
Ein neues Projekt soll sich an Kinder unter 14 Jahren richten, die erstmals Straftaten begehen. Da sie strafunmündig sind, können ihnen keine Maßnahmen des Jugendjustizsystems auferlegt werden. „Auch diese Familien brauchen Unterstützung, um die Situation aufzufangen“, sagte Rodríguez. Das Programm werde derzeit in beiden Provinzen getestet und solle im Januar an den Start gehen.
Rodríguez erinnerte zugleich daran, dass Adoption nicht das erste Mittel sein dürfe: „Adoption ist kein Recht derer, die ein Kind haben wollen, sondern ein Recht des Minderjährigen.“ Vorrang habe die Arbeit mit der Herkunftsfamilie. In den vergangenen zwei Jahren seien 189 Minderjährige in ihre Familien zurückgekehrt.
Damit Pflegefamilien eine echte Alternative sind, müssten sie nicht nur gewonnen, sondern auch begleitet und geschult werden, so Rodríguez. Dies werde im Adoptionsdienst bereits umgesetzt.
Dieser Artikel basiert auf einer Meldung der Nachrichtenagentur Europa Press.
Quelle: europapress.es